Eifersucht – Die Auslagerung des Vertrauens

Treue und Vertrauen haben denselben Wortstamm. Außerdem sind sie die Grundpfeiler jeder konstruktiven zwischenmenschlichen Beziehung. Das gilt natürlich vor allem für Liebesbeziehungen und langfristig ausgelegte Partnerschaften.

Eifersucht entsteht manchmal als Reaktion auf einen tatsächlichen Treubruch, etwa eine Affäre oder einen Seitensprung während der Beziehung. Nicht wenige Menschen bringen sie jedoch bereits mit in die Partnerschaft: Auch ohne konkreten Anlass sind sie eifersüchtig, weil es ihnen generell schwer fällt, zu vertrauen und an die Treue zu glauben.

Ein bisschen Eifersucht gilt vielen als Zeichen der Liebe. Tatsächlich ist Eifersucht jedoch ein Zeichen der Angst – und von der sollen Freundschaft und Liebe doch eigentlich erlösen. Eifersucht ist schwer in den Griff zu bekommen und meist eine Belastung für die Partnerschaft. Oft ist sie der Anlass, aus dem sich Paare zu einer Eheberatung oder Paartherapie entschließen.

Auch „grundlose“ Eifersucht hat Gründe

Viele Eifersüchtige haben starke Verlustängste und Zweifel, weil sie sich für nicht stark oder attraktiv genug halten, um einen anderen Menschen dauerhaft an sich zu binden. Sie vertrauen nicht auf ihre Einzigartigkeit und wittern daher in jedem Geschlechtsgenossen einen potenziellen Konkurrenten. Sie vertrauen der Entscheidung ihres Partners nicht, da sie sich selbst unbewusst als zweite Wahl einstufen, und haben Angst, bei Vergleichen den Kürzeren zu ziehen.

Ob Eifersucht im ererbten Charakter liegt, also angeboren sein kann, ist wissenschaftlich schwer zu klären. Klar ist jedoch, dass manche Menschen verstärkt zu Eifersucht neigen, während andere erst nach handfesten Vertrauensbrüchen eifersüchtig reagieren. Es ist auch bekannt, dass Eifersucht immer mit mangelndem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen verbunden ist.

Oft, aber nicht immer, finden sich Gründe hierfür in der Kindheit. Das können der Verlust einer Bezugsperson durch Scheidung, Umzug oder Tod sein, aber auch häusliche Gewalt  oder eine auf Kontrolle und Überwachung basierende Erziehung. Manchmal wird erst bei einer Psychotherapie deutlich, welche frühen Erlebnisse oder subtilen Erziehungsmethoden das Selbstgefühl und Urvertrauen dauerhaft beschädigt haben.

Untreue in der Partnerschaft begründet und nährt die Eifersucht

Treue definiert sich nicht nur über den sexuellen Bereich, obwohl viele zuerst an diesen denken, wenn von ehelicher oder partnerschaftlicher Treue die Rede ist. Treue in der Zweierbeziehung und dauerhaften Partnerschaft umfasst immer auch den gesamten Bereich der Loyalität und Solidarität: Jeder muss sich auf den anderen verlassen können, es geht um äußere und innere Beständigkeit.

Unfähigkeit oder der Unwillen eines oder beider Partner, sich an Absprachen zu halten und vereinbarte Grenzen zu respektieren, verletzt das Grundvertrauen. Wer sich betrogen, verraten, verlassen oder enttäuscht fühlt, neigt dazu, weitere Verletzungen und Brüche zu erwarten, und lebt in der Angst, den Partner ganz zu verlieren. Eifersüchtig wacht er daher über dessen Verhalten, glaubt seinen Worten nicht mehr bedingungslos und sucht aktiv nach möglichen Verdachtsmomenten.

Misstrauen und Eifersucht, die aus einem realen Sachverhalt heraus entstanden sind, können wieder verschwinden, wenn beide Partner zur Überwindung der Beziehungskrise entschlossen sind und es schaffen, das Grundvertrauen neu aufzubauen.

Vom Umgang mit übermäßiger Eifersucht

Eifersüchtige Menschen neigen zu selbstquälerischem, melodramatischem und aggressivem Verhalten. Sie fürchten unangenehme Überraschungen und vermuten heimliche Gedanken und Handlungen, die immer zu ihren Ungunsten sind.

Eifersucht begünstigt genau die Art von Oper, die niemand gern erlebt. Ihre Bühne wird erschüttert von Klagen und Anklagen, Streitereien, denen die Sachebene fehlt, gebrochenen Schwüren und Versöhnungen aus purer Erschöpfung. Opfer sind dabei immer beide: Wer ständig mit der Eifersucht des anderen konfrontiert wird und darauf achten muss, hat es schwer, sich in der Beziehung zu entspannen und sicher zu fühlen.

Krankhafte Eifersucht in der Ehe oder Lebenspartnerschaft ist für beide Beteiligte eine Folterqual, die mit der Zeit alle lebendigen Impulse vergiftet und im Keim erstickt. Lebenslust, Liebesfreuden, Neugier und Spontaneität verkümmern unter ihrem Schatten. Daher ist übermäßige Eifersucht das Ende jeder Vertrauensbeziehung, wenn die Partner nicht gemeinsam einen Ausweg finden. Das bedeutet allerdings viel Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

Fatalerweise reagieren treue Partner, die regelmäßig der Untreue bezichtigt werden, ganz ähnlich wie solche, die sich bei einem tatsächlichen Treubruch ertappt fühlen. Sie stellen sich komplizierten Verhören oder ziehen sich ins Schweigen zurück. Sie verteidigen und rechtfertigen ihre Handlungen und neigen zu Heimlichkeiten, um sich und dem anderen Stress zu ersparen. Das sorgt für weiteres Misstrauen, weitere Fluchtstrategien und fruchtlose Auseinandersetzungen. Oft rutschen beide auf diese Art sehenden Auges in einen Teufelskreis, der sich schließlich nur noch mit Hilfe von außen, etwa durch eine gemeinsame Therapie, aufbrechen lässt.

Wann hilft eine Paarberatung, Paartherapie gegen Eifersucht?

Bei der Aufarbeitung eines Seitensprungs oder langjährigen Fremdgehens kann eine Paar- bzw. Ehetherapie oder psychologische Paarberatung helfen. Der Psychotherapeut fungiert dabei auch als Mediator und sorgt dafür, dass die Beratungsgespräche und Therapiesitzungen zielorientiert und vorwärtsgerichtet ablaufen. Das nachträgliche Erklären oder Rechtfertigen des Geschehenen ist zweitrangig, wenn es darum geht, der Partnerschaft eine neue Zukunft zu geben. Die Paartherapie zielt darauf ab, die Vergangenheit nicht zu wiederholen, sondern daraus zu lernen.

Eine Paarberatung, Paartherapie lohnt sich, wenn beide dazu bereit sind und ihre Beziehung oder Ehe retten wollen. Voraussetzungen dafür sind inneres und äußeres Engagement und zuweilen auch Kompromisse. Mit Absprachen, die während oder nach der Paartherapie getroffen werden, müssen natürlich beide Partner einverstanden sein, damit sie sich gern und nicht nur notgedrungen daran binden. Sind die grundsätzlichen Ansichten zum Thema Treue zu verschieden, kann auch die beste Partnertherapie weitere Schwierigkeiten nicht verhindern.

Für übermäßig eifersüchtige Menschen lohnt sich auch eine Einzelberatung, Einzeltherapie. Sie trainiert unter anderem die Eigen- und Fremdwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und ein konstruktives Krisenverhalten. Eine Therapie gegen Eifersucht kann auch in einer beziehungsfreien Zeit stattfinden und Betroffenen helfen, Beziehungskrisen vorzubeugen oder ihnen künftig mit mehr Kraft und Methode zu begegnen.

Wer von Eifersucht, sei es der eigenen oder der des Partners, gequält wird und Auswege sucht, sollte sich nicht scheuen, einen Experten um Rat zu fragen.

Das Aufbrechen oder Ablegen langjähriger unerwünschter Verhaltensmuster ist nicht einfach, vor allem, wenn Alltag und Berufsleben nebenher normal weiterlaufen und funktionieren müssen. Es lohnt sich jedoch in jedem Alter, Ängste zu überwinden, um zum Vertrauen zurückzukehren und neuen Glauben an die Liebe und die Treue zu gewinnen.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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