Wenn schon Trennung, dann wenigstens fair

Siehe auch meinen Artikel Trennung und Scheidung ohne Rosenkrieg? Ein Leitfaden für ein versöhnliches Ende einer Beziehung.

Die meisten Menschen wünschen sich eine stabile und dauerhafte Partnerschaft. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es den wenigsten leicht fällt, eine feste Beziehung wieder aufzugeben und sich endgültig vom Lebenspartner zu trennen oder vom Ehegatten scheiden zu lassen.

Je länger und ernsthafter angelegt die Partnerschaft war, umso schwerer fällt in der Regel die Trennung. Gemeinsame Kinder, eine gemeinsame Wohnung, ein gemeinsamer Freundeskreis, gemeinsame Finanzen und ein gemeinsam organisiertes Alltagsleben sind Bande, die sich nicht einfach, schnell und schmerzfrei aufteilen, durchtrennen oder entwirren lassen.

Zu den technischen Schwierigkeiten kommen emotionale, denn auch eine von beiden Partnern gewünschte oder sogar ersehnte Trennung bedeutet vielerlei Schmerz und Stress. Eine Scheidung ist zudem mit Behördengängen verbunden, was die Sache noch weiter verkompliziert, in die Länge zieht und (last but not least) beträchtlich verteuern kann.

Muss die Trennung wirklich sein?

Sich einzugestehen, dass eine Partnerschaft gescheitert ist, ist ein Prozess, der sich über eine lange Zeit hinziehen kann. Statistisch gesehen kommt die Erkenntnis nur selten über Nacht: Die meisten Paare, die schließlich vor den Scherben ihrer Beziehung stehen, haben vorher mindestens einmal versucht, ihre Liebe bzw. Ehe zu retten. Dabei hängt die Wahl der Mittel von Charakter, Einstellungen und Lebensumständen der Hauptbeteiligten ab. Letztlich beeinflussen sehr viele, teils unvorhersehbare Faktoren, ob und wann ein Paar in einer Krisensituation die Hilfe eines Eheberaters oder Partnertherapeuten in Anspruch nimmt, den Freundes- und Familienkreis integriert oder versucht, seine Beziehungsprobleme hinter verschlossenen Türen allein zu regeln.

So lange beide Partner sich eine glückliche gemeinsame Zukunft grundsätzlich noch vorstellen können, lohnt sich auch bei tiefsitzenden Paarproblemen jeder weitere Rettungsversuch. Wenn die bisherigen Strategien und möglichen Lösungswege nicht wie gewünscht funktioniert haben, kann dies der beste Moment sein, um sich an einen Eheberater oder Paarberater zu wenden. In Einzelsitzungen, gemeinsamen Gesprächen oder während einer Paarberatung lassen sich nicht nur klare, konstruktive und auch realisierbare Zielsetzungen erarbeiten, sondern auch gangbare Wege dorthin finden.

Zusammenbleiben um des Zusammenbleibens Willen ist jedoch weder gesund noch der Persönlichkeitsentwicklung förderlich. Wenn Gewalt im Spiel ist, kommt die Trennung unter Umständen sogar einer Rettung bzw. notwendigen Schutzmaßnahme gleich.

Ist die Liebe erloschen oder wird die gemeinsame Zukunft von einem oder beiden Partnern entschieden ausgeschlossen, bedeutet das allerdings noch lange nicht das Ende aller gemeinsamen Streitkultur und Konfliktfähigkeit. Es geht um Schadensbegrenzung: Nach einer fairen Trennung bzw. Scheidung können Verletzungen besser heilen, die Beteiligten arrangieren sich leichter in ihren geänderten Lebensumständen und haben folglich auch größere Chancen, neues Glück zu finden.  

Trennung ohne Vorwürfe

Wie gut eine Trennung verarbeitet wurde, zeigt sich an der Art, wie die Beteiligten darüber reden.

„Es hat eben nicht gepasst“ – zu diesem Schluss kommen viele, wenn sie auf frühere Beziehungen zurückblicken, deren Ende sie verstanden und akzeptiert haben, vor allem, wenn sie mittlerweile wieder in einer stabilen Partnerschaft leben.

Noch frische, besonders schmerzliche oder unvollständig verarbeitete Trennungen verursachen jedoch erhöhten Redebedarf, denn hier geht es um viel Schuld und noch mehr Scham: um dringende Rechtfertigungen, erfüllte Prophezeiungen, enttäuschte Hoffnung  und darum, was alles hätte getan werden müssen oder nicht hätte passieren dürfen. Das Bedürfnis, nachträglich Fehlerlisten aufzustellen, Schuldanteile auszurechnen und damit im Idealfall zu beweisen, dass der andere die größere Schuld am Scheitern der Paarbeziehung trägt, ist menschlich und kann befreiend wirken; logisch ist es jedoch nicht. Strenggenommen lohnen sich Vorwürfe nur, wenn Änderungen angestrebt werden. Sind Trennung oder Scheidung bereits beschlossene Sache, manifestieren sich in den Schuldzuweisungen hauptsächlich Wut, Enttäuschung und Ohnmachtsgefühle. Beide Betroffene müssen sich wieder als Einzelperson sehen – jeder versucht, für sich zu retten, was noch zu retten ist, und viele ergreifen dabei die Gelegenheit, dem Expartner wenigstens noch kräftig von hinten eins überzubraten – sozusagen als Entschädigung für die erlittenen Schmerzen und Einbußen in puncto Selbstgefühl und Weltbild.

Zu einer fairen Trennung gehört aber, genau dieses destruktive Verhalten tunlichst zu vermeiden. Nicht die Fehler eines Partners oder die Fehler zweier Einzelpersonen lassen Ehen scheitern und Beziehungen zerbrechen, sondern unpassende oder aus dem Gleichgewicht geratene Konstellationen, Umstände und Entwicklungen der Zweisamkeit. Dies einzusehen ist wesentlich bei einer fairen Trennung oder Scheidung.

In der letztgenannten Einsicht liegt zudem die wichtige Erkenntnis, dass Menschen, die viele Trennungen hinter sich haben, deswegen nicht notwendigerweise beziehungsgestört oder gar beziehungsunfähig sind. Auch das immer wieder gern herbeigezogene Klischee, manche Menschen zögen etwa das Unglück an oder träfen immer wieder die falsche Wahl, ist mehr irre- als zielführend. Denn hierbei wird die Möglichkeit, es könnte bisher „einfach noch nicht gepasst“ haben, außer Acht gelassen – eine schlichte, hoffnungsvolle und versöhnliche Erklärung, die sich im Nachhinein erstaunlich oft als die einzig richtige und für beide Seiten befriedigende herausstellt.

Scheidung mit Recht und Anstand

Damit eine Ehe geschieden werden kann, muss sie gescheitert sein. Davon wird ausgegangen, wenn die Ehepartner nicht mehr Tisch und Bett (lat. mensa et toro) teilen und dies erwartungsgemäß auch nie wieder tun werden. 

Das so genannte Schuldprinzip, das es bei Scheidungen früher gab, wurde längst abgeschafft. Ein Trennungsjahr gehört noch heute zu den gesetzlich vorgeschriebenen Scheidungsvoraussetzungen.

Ehepartner, die sich scheiden lassen wollen, können (und sollen) durch die einjährige Trennungszeit beweisen, dass ihre Ehe unrettbar gescheitert ist. Da die Trennung sich auf Tisch und Bett bezieht, kann sie auch in der gemeinsamen Wohnung vonstatten gehen – die (Noch-)Ehepartner wohnen dann wie WG-Mitglieder in getrennten Zimmern, und jeder kocht, wäscht und wirtschaftet für sich.

Begreiflicherweise kommt diese Form des Trennungsjahres für viele Scheidungswillige grundsätzlich nicht in Frage. Sie ist jedoch die einzige Möglichkeit, wenn sich der Auszug eines Partners finanziell oder aus anderen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht bewerkstelligen lässt.

Sind beide Ehegatten nach dem Trennungsjahr weiterhin von der Unrettbarkeit ihrer Gemeinschaft überzeugt, kann die Ehe vom Gericht geschieden werden. Eine Scheidung ohne Trennungsjahr bzw. mit stark verkürzter Trennungszeit kann in Härtefällen erfolgen. Die dazu erforderliche unzumutbare Härte wird etwa bei Straf- oder Gewalttaten in der Ehe angenommen. Allerdings definiert sich Unzumutbarkeit immer über individuelles Empfinden, weshalb dieser Begriff über die Gesetzeslage hinaus dehn- und interpretierbar ist.

Einvernehmen zahlt sich aus

Den Scheidungsantrag stellt immer ein Rechtsanwalt. Scheidungskandidaten, die sich über die Aufteilung des gemeinsamen Vermögens einig sind oder zu Beginn der Ehe entsprechende Listen erstellt und Vereinbarungen getroffen haben, können durch eine einverständliche Scheidung viel Geld sparen. Bei einer streitigen Scheidung kämpfen die Partner, jeder unterstützt vom Anwalt seiner Wahl, um Vermögens- und Sachwerte, Unterhaltsansprüche oder Sorgerechte. Das kann für Kinder jeden Alters sehr belastend sein, besonders wenn die Wohnorte der Eltern später weit voneinander entfernt liegen. Daher zahlt es sich auch sozial und emotional aus, eine faire und einvernehmliche Scheidung anzustreben und Streitigkeiten außergerichtlich zu klären.

Die Dienste eines Eheberaters bzw. Paarberaters stehen nicht nur Menschen zur Verfügung, die ihre Ehe retten, eine drohende Scheidung verhindern oder neue Wege für die Liebesbeziehung finden möchten. Auch zur Trennung Entschlossene oder durch eine laufende Scheidung Belastete profitieren von beratenden oder therapeutischen Gesprächen: Diese können helfen, Veränderungen als Chancen zu begreifen, mit Ängsten und Zweifeln fertigzuwerden und aus schwierigen Situationen gestärkt und mit neuem Mut hervorzugehen. 

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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