Liebe in Zeiten von Corona – Beziehungen in der Krise

Partnerschaft in Krisenzeiten: Was die Corona-Pandemie für Paare bedeutet

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für jeden zu spüren: Geschlossene Grenzen, geschlossene Geschäfte, Verzicht auf Sozialkontakte und große Veränderungen im Arbeits- und Privatleben stellen uns derzeit auf eine harte Probe. Paare verbringen durch die häusliche Quarantäne viel mehr Zeit zusammen als sonst, das kann manch eine Beziehung strapazieren. Bei Konflikten durch die ungewohnte Situation oder bereits vorhandenen Beziehungsproblemen gibt es kaum Möglichkeiten, sich aus dem Weg zu gehen oder dem häuslichen Alltag zu entkommen. Die gewohnten Ablenkungsmöglichkeiten und „kleinen Fluchten“ – der Gang zur Arbeit, ein Stadtbummel mit Friseurbesuch, das Treffen mit Freunden oder der Sport mit den Vereinskollegen – sind auf unbestimmte Zeit gestrichen oder stark eingeschränkt. So sind die Menschen auf sich selbst zurückgeworfen und müssen sich – freiwillig oder notgedrungen – auf engerem Raum miteinander arrangieren.

Corona und wir: die neue Nähe im Alltag

Große Krisen bringen das Beste und das Schlechteste in uns zum Vorschein. Das zeigt sich natürlich ganz besonders in Paarbeziehungen. Schon jetzt warnen Experten vor einer deutlichen Zunahme der häuslichen Gewalt durch die erzwungene Nähe. Viele sagen eine neue, große Trennungs- und Scheidungswelle voraus; allerdings werden gegen Ende des Jahres auch deutlich mehr Geburten erwartet. Denn für schöne Gefühle und gute Erlebnisse wie tiefe Gespräche, Zärtlichkeit und Sex haben liebende Paare und Ehepartner jetzt ebenfalls mehr Zeit. Es werden mehr Sexspielzeuge bestellt, mehr Bücher gelesen, und viele leben – allein oder mit dem Partner – ihre Freude am Kochen, Backen, Heimwerken oder Gärtnern aus. Wer im Home Office arbeitet, kann sich häufig die Arbeitszeit freier einteilen, z. B. morgens ohne Wecker aufstehen, in aller Ruhe mit dem Partner oder der Familie frühstücken und den Tag zusammen planen. So kann die Krise auch eine Chance sein, das gemeinsame Leben entspannter und bewusster anzugehen, sich über die wiedererlangte Nähe zu freuen, die Verbindung noch zu vertiefen und zu festigen.

Was tun mit Beziehungsproblemen, die plötzlich ans Licht kommen?

Wenn Paare in Zeiten von Corona plötzlich den ganzen Tag „aufeinandersitzen“ müssen, können auch in vermeintlich harmonischen Beziehungen heftige Konflikte entstehen. Oft handelt es sich um latente Beziehungsprobleme, die schon länger schwelen, sich jedoch im normalen Alltag erfolgreich verdrängen lassen. Doch auch die veränderte Situation selbst kann zu Streit führen, etwa um die Aufgabenverteilung im Haushalt, das Raum- und Zeitmanagement im Home Office oder die Betreuung der Kinder. Paare, denen es gelingt, praktische Probleme sachlich zu lösen und emotionale Konflikte konstruktiv anzugehen, sind jetzt klar im Vorteil. Begegnen Sie einander mit Respekt und versuchen Sie, starke und jähe Gefühle wie Wut oder Angst nicht unkontrolliert an Ihren Lieben auszulassen.

Denken Sie daran: Für die ganz große Oper bietet kaum eine Wohnung genug Raum. Daher gebietet es die Vernunft, auf laute, tränenreiche Szenen, unbeherrschte Auftritte und furiose Abgänge möglichst zu verzichten und sich auf lösbare Probleme im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Ist das gar nicht (mehr) möglich, ist es allerdings auch in Zeiten von Corona besser, sich zu trennen, bevor der Streit eskaliert und womöglich gewalttätig endet. Das gilt für alte, aber neu entflammte Konflikte ebenso wie für schwere Probleme, die vorher keiner der Partner bemerkt hat – vielleicht, weil es vorher noch nie nötig oder möglich war, so genau hinzuschauen oder nachzudenken.

Hier sind ein paar Tipps, die Paaren helfen können, die Corona-Krise gemeinsam besser zu überstehen:

1. Realistische Erwartungen

Erwarten Sie nicht, dass Ihr Partner durch die häusliche Isolation oder mehr Zweisamkeit plötzlich seine schlechten Gewohnheiten ablegt. Auch Sie selbst werden das nicht schaffen – Sie können sich allenfalls mehr Mühe geben und öfter darüber reden, was Sie stört und was Sie sich wünschen.

Ihr Partner hilft auch sonst nicht gern im Haushalt, lässt überall seine Klamotten herumliegen oder ist ständig auf der Suche nach verlegten Dingen? Dann machen Sie sich darauf gefasst, das in Zukunft noch stärker aushalten zu müssen. Chaoten werden nicht zu Ordnungshütern oder Kontrollfreaks zu Zenbuddhisten, nur weil sie zu Hause bleiben müssen. Üben Sie sich im Verzeihen und bieten Sie tatkräftige Hilfe an, wo konstruktive Kritik nicht reicht.

2. Vernünftige Rollen- und Aufgabenverteilung

Verteilen Sie die alltäglichen Aufgaben möglichst so, dass keiner über- oder unterfordert ist. Bleiben Sie dabei ebenfalls realistisch und setzen Sie lieber auf Ergänzung und brauchbare Ergebnisse als auf vollkommene Gerechtigkeit. Gerade Frauen führen oft lange Listen im Kopf, von denen Sie jederzeit genau ablesen können, wer was wie oft, wie gut und wie willig erledigt. Perfekter Ausgleich ist in den seltensten Fällen möglich – schon deshalb nicht, weil man in die (oft abweichenden) Vorstellungen im Kopf des Partners nur bedingt hineinschauen kann. Stellen Sie daher den häuslichen Frieden und den Kompromiss in den Vordergrund und trauen Sie sich, auch mal etwas zu delegieren, über Nacht liegenzulassen oder auf andere Art vom Gewohnten abzuweichen. Kontrolle ist gut, aber Vertrauen ist besser! Und wenn Sie dann sehen, dass der Laden trotzdem läuft, wird Sie das mit neuem Mut und Zuversicht erfüllen.

3. Gemeinsame Aktivitäten

Damit ist nicht all das gemeint, was Sie sowieso zusammen machen oder jetzt gemeinsam hinkriegen müssen. Suchen Sie sich stattdessen immer mal wieder eine Beschäftigung aus, die Ihnen beiden Freude macht und bei der Sie als Team gut funktionieren und zusammen Erfolge feiern können. Sie können die Wohnung renovieren, den Garten umgraben, den Balkon gestalten, den Kleiderschrank ausmisten, die Sommerreifen aufziehen oder im Wohnzimmer Tango tanzen lernen. Auch tägliche Rituale (z. B. einander vorlesen, ein Work-out am Morgen, zusammen Radio hören oder eine Lieblingsserie noch einmal anschauen) und gemeinsame Ziele (etwa ein Kilo abnehmen) bringen Struktur in den Tag, setzen gleichzeitig neue Impulse und helfen, in Schwung zu bleiben und Verzicht besser auszuhalten.

4. Freiräume lassen

Im Idealfall brauchen beide Partner in etwa gleich viel Freiraum und Zeit für sich. Oft benötigt aber einer mehr davon als der andere. Seien Sie besonders aufmerksam, was die Privatsphäre angeht. Achten Sie darauf, dass Sie bekommen, was Sie brauchen, und halten Sie sich zurück, wenn Sie merken, dass der andere gerade für sich sein möchte. Es ist gefährlich, sich in die Enge zu treiben, wenn man nicht fliehen kann; Geduld und Besonnenheit sind jetzt also besonders wichtig.

5. Klartext reden

Sie waren noch nie in einer solchen Situation und wissen gar nicht, wie Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse formulieren oder den Partner nach seinen fragen können? Damit sind Sie in bester Gesellschaft, denn momentan sitzen wirklich alle im selben Boot und wissen nicht, wie und wann die Krise enden und wieder Normalität einkehren wird. Nutzen Sie die Gelegenheit, in unsicheren Zeiten Klartext zu reden, Ihrem Partner gut zuzuhören und sich so einander (neu) zu versichern. Paare, die sich noch nicht so gut kennen, aber auch solche, die schon lange zusammen und aneinander gewöhnt sind, haben jetzt viel Zeit für Gespräche. Reden Sie über die Welt und das Wetter, Ihre Pläne und Erinnerungen und auch über heikle Themen wie die Angst vor Krankheit, Einsamkeit oder dem Tod. Und wenn Sie sich unverstanden fühlen oder glauben, Ihren Partner nicht zu verstehen, geben Sie sich nicht mit Zeichen und Andeutungen zufrieden, sondern fragen Sie direkt nach und sagen deutlich, wie Sie sich fühlen, was Sie denken oder was Ihnen gerade fehlt.

Eheberatung oder Paarberatung trotz Kontaktverbot wegen Corona?

Selbstverständlich bin ich auch während der Corona-Krise weiterhin für Frauen, Männer und Paare mit Beziehungsproblemen da. Gegenwärtig erlauben die Behörden weiterhin Sitzungen unter Einhaltung der erhöhten Hygienevorgaben. Selbstverständlich halte ich diese Standards ein. Aufgrund der Krise biete ich für meine aktuellen Klienten auch Beratung per Telefon an. Im Vergleich zu einer Therapiesitzung im selben Raum, in der ich nicht nur zuhöre, sondern gleichzeitig die Körpersprache eines Paares erlebe und ganz viele wichtige Informationen „zwischen den Zeilen“ bekomme, ist das natürlich ein Kompromiss mit Mängeln. Doch auch ein ausführliches Telefongespräch bzw. eine telefonische Beratung kann bei akuten Konflikten und Notlagen helfen, einen Weg aus der Beziehungskrise zu finden.

Kommen Sie gut durch die schwierigen Zeiten und bleiben Sie gesund!

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Refrath (Raum Köln)

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