Dreierbeziehung; Liebe zu dritt: Verträgt sich der flotte Dreier mit ehelicher Treue und fester Paarbeziehung?

Was im Volksmund als „Flotter Dreier“, „Triole“, „Threesome“ oder (gefühlvoller) „Liebe zu dritt“ bezeichnet wird, hat erst einmal gar nichts mit Liebe oder Beziehung zu tun. Gemeint ist Sex zu dritt, wobei das Geschlecht der drei Beteiligten ebenso variieren kann wie deren Beziehungsstatus oder Grad der Vertrautheit miteinander. In der Eheberatung, in Paargesprächen oder während einer Paartherapie kommt dieses Thema vor allem dann auf den Tisch, wenn es in der Ehe oder Lebenspartnerschaft Konflikte verursacht.

Rund jeder zehnte Deutsche hat im Laufe seines Lebens zumindest einmal Sex mit zwei Partnern – beispielsweise als Experiment, um die Neugier zu stillen, oder aus einer besonders ausgelassenen oder innigen Situation heraus. Weit größer ist die Zahl derer, die zwar davon träumen, es aber nicht wirklich ausprobieren möchten – oder die einfach bisher nicht den Mut und die Gelegenheit dazu gefunden haben. Nicht nur Singles träumen von Sex zu dritt, sondern auch viele Menschen, die verheiratet sind oder einen festen Partner haben. Dabei ist die Vorstellung, Sex vor den Augen des eigenen Partners zu haben oder diesem beim Sex zuzusehen, oft besonders aufregend.

Den Partner zu einem solchen Abenteuer zu überreden oder Sex zu dritt als Möglichkeit des „ganz legalen Seitensprungs“ in Betracht zu ziehen, ist allerdings riskant. Denn solche Wünsche oder Fantasien können, sobald sie einmal ausgesprochen wurden, beim Partner starke Unsicherheit, Angst, Wut und Eifersucht auslösen – fast so, als habe der andere durch seine Äußerung bereits Ehebruch begangen, seine Treue aufgekündigt oder zugegeben, im Bett nicht mehr auf seine Kosten zu kommen.

Sex ist das, was wir daraus machen

In der Praxis der Ehe- und Paarberatung bzw. Paartherapie geht es sehr oft um Sex. Denn zu einer erfüllten Partnerschaft gehört auch ein gemeinsames Sexualleben, das beide Partner genießen können und mit dessen Organisation (wo, wie oft, auf welche Weise etc.) beide einverstanden sind. Zum Sexleben in der Ehe oder Lebenspartnerschaft gehören neben der tatsächlich stattfindenden Sexualität die unausgesprochenen, unerfüllten oder unerfüllbaren sexuellen Wünsche und Fantasien beider Partner. Sie führen häufig zu schwelenden Konflikten oder akuten Krisen. Viele Geschiedene oder getrennt Lebende nennen rückblickend ungelöste sexuelle Probleme als wesentlichen Trennungs- oder Scheidungsgrund.

Nicht wenige Paare teilen den Traum vom flotten Dreier und werden gemeinsam aktiv, um ihn sich zu erfüllen. So sehen sie sich etwa gezielt nach geeigneten Partnern für diese Variante des Liebesspiels um, bis sie den Mann oder die Frau für ihre perfekte Dreierkonstellation gefunden haben. Manche praktizieren regelmäßig Liebe zu dritt, mit denselben oder wechselnden Sexpartnern, und empfinden dies als Bereicherung ihrer Partnerschaft und ihres Sexlebens. Bei anderen führt schon der erste Versuch oder nur das Aussprechen des Wunsches zu einer emotionalen Katastrophe und im schlimmsten Fall zum Scheitern der Beziehung. Es sind also nicht bestimmte Sachverhalte oder ein Thema im Allgemeinen, die zu Komplikationen und Streit führen, sondern die individuellen Umstände.

Zum Beziehungsproblem bzw. Gesprächsthema in der Partnerberatung kann der flotte Dreier auf viele Arten werden. Dabei ist es noch nicht einmal notwendig, dass einer der Partner tatsächlich Sex zu dritt hatte – oft reicht schon das Eingeständnis, davon zu träumen oder diese Erfahrung machen zu wollen. Generell ist es keine gute Idee, einen solchen Wunsch auszusprechen oder sich einen dritten Partner ins Bett zu holen, wenn es in der Zweierbeziehung gerade kriselt. Ist der Dreier zweite Wahl, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest einer der Beteiligten übergangen oder als Mittel zum Zweck benutzt fühlen.

Ist Sex zu dritt eher eine Männerfantasie?

Die meisten Männer, die von Sex zu dritt träumen, sehen sich in ihrer Fantasie mit zwei Partnerinnen. Der Wunsch, Sex mit der Partnerin und einem weiteren Mann zu erleben, ist weit weniger verbreitet. Das liegt unter anderem am sexuellen Konkurrenzdenken vieler Männer – die Vorstellung, der andere könne „besser“ sein, kann Versagens- und Verlustängste und somit Eifersucht auslösen, die einem lustvollen Erleben immer im Wege steht.

Ein weiterer Grund ist der bei heterosexuellen Männern häufige Widerwillen gegen homoerotische Erfahrungen. Nicht wenige haben hier sehr enge Grenzen – schon die Idee, einem anderen nackten und erregten Mannes so nahe zu sein, dass es zu Berührungen kommen muss, verdirbt so manchem jeden Spaß am Weiterfantasieren.

Heterosexuelle Frauen sind hier flexibler: Viele empfinden es als Erweiterung ihrer Weiblichkeit, beim Sex auch einer Frau nahezukommen, oder genießen die Vorstellung, ihren Partner gemeinsam mit einer anderen Frau zu verwöhnen. Hier kommt die vielgerühmte weibliche Empathie den gängigen Männerfantasien also grundsätzlich entgegen – doch darauf sollte sich kein Mann blind verlassen.

Es gibt durchaus Frauen, die sich den flotten Dreier andersherum wünschen – als Rundum-Glücklich-Paket für sich selbst und den Partner. Die Vorstellung, dem eigenen Mann beim Sex mit einem anderen zuzusehen, kann Frauen ebenso anregen wie Männer die Vorstellung von vier Brüsten, zwei Mündern oder der Ehefrau beim Liebesspiel mit einer zweiten Lady.

Ob Sex zu dritt der Beziehung einen Kick oder einen Knacks verpasst, hängt von den Vorlieben und Grenzen der beiden festen Partner ab – von ihrem Vertrauen ineinander, ihren Erwartungen an das neue Erlebnis und ihrer Kommunikation. Und ist ein Paar erst einmal dazu entschlossen, den flotten Dreier auszuprobieren, muss auch die praktische Umsetzung besprochen, geplant und abgestimmt werden, damit es nicht zu Missverständnissen oder Pannen kommt. 

Wie sieht der ideale Dreier aus?

Beide müssen sich ein solches Experiment wünschen und davon überzeugt sein, Sex mit dem festen Partner und einer weiteren Person genießen zu können. Ist diese Grundvoraussetzung nicht gegeben, findet der ideale flotte Dreier weiterhin im Reich der Fantasie statt. Hierbei besteht immer noch die Möglichkeit, ihn als gedankliches Stimulans ins gemeinsame Kopfkino einzubauen: Die reine Vorstellung eines dritten Partners kann beim Sex sehr anregend wirken.

Geht es jedoch um die tatsächliche Erfahrung, muss das Paar sich konkreten organisatorischen und technischen Fragen stellen, z. B.:

  • Soll der dritte Partner eine Frau oder ein Mann sein?
  • Falls beide Konstellationen denkbar sind: Sollen auch beide ausprobiert werden?
  • Falls nur eine Konstellation denkbar ist: Warum ist die andere undenkbar? (Diese Frage hilft, sich seiner persönlichen Bedürfnisse und Ängste vor dem Betreten von Neuland bewusster zu werden und die wesentlichen Grenzen bereits im Vorfeld abzustecken.)
  • Wie gut will das Paar den dritten Partner kennen? Welche Vorlaufzeit wird für das nähere Kennenlernen eingeräumt? Was ist dabei wichtig?
  • Wenn es „zur Sache“ geht: Wo sind die No-Gos? Wie wird signalisiert, wenn das Spiel zu weit geht?
  • Soll das Erlebnis einmalig bleiben oder ist bei Gefallen eine Wiederholung möglich/geplant?

Kompliziert wird es, wenn der erwünschte Dritte jemand ist, den das Paar bereits kennt, etwa ein gemeinsamer Freund oder eine gute Bekannte. Wenn das Thema bisher nie angesprochen wurde, ist es sehr schwer, die Reaktion einzuschätzen. Offenheit ist zwar immer gut, aber hier auch ein gewisses Wagnis: Der Mut, jemandem ein „unmoralisches Angebot“ zu machen, kann ebenso reich belohnt wie hart bestraft und schnell bereut werden. Im schlimmsten Fall wird sich der- oder diejenige umgehend distanzieren und das abenteuerlustige Paar fortan eher misstrauisch aus der Ferne betrachten.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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