Fernbeziehungen - Tipps und Erfahrungen aus der Praxis

Aktuellen Schätzungen zufolge führt etwa jedes achte Paar eine Fernbeziehung. Ganz gleich, ob Urlaubsliebe oder ein beruflich notwendiger Umzug eines Partners in eine andere Stadt: Das Schicksal lautet fortan Fernbeziehung, was für beide Seiten eine enorme Belastung darstellen kann. Sicherlich ist eine der größten Schwierigkeiten, dass die Partner von nun an in zwei verschiedenen Welten zu leben haben. Das ständige Hin- und Herreisen sowie das emotionale Chaos bei Trennung und Wiedersehen gestaltet eine Fernbeziehung ebenso problematisch wie die fehlende Nähe. Eine Fernbeziehung kann grundsätzlich nur dann bestehen, wenn beide Seiten bereit sind, Kompromisse in der Beziehung zu akzeptieren und vor allem auf die Bedürfnisse des Partners einzugehen.

Wechselbad der Gefühle – Typisch für eine Fernbeziehung

Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Paare in einer Fernbeziehung regelmäßig kleine Phasen der Trauer durchleben müssen. Auch andere Emotionen, wie etwa Hoffnungslosigkeit, Eifersucht, Sehnsucht, Wut und Einsamkeit sind ebenso charakteristisch für eine Fernbeziehung. Vielfach entladen sich diese starken Emotionen kurz nachdem sich das Paar wieder in die Arme schließen kann („Freitags-Syndrom). Vielfach ist bei Wochenendbeziehungen zu beobachten, dass es zum Streit kommt, sobald man sich wiedersieht. Einen Tag später ist die Welt für beide hingegen wieder in Ordnung. Man fühlt sich intensiv miteinander verbunden und geradezu euphorisch (Samstags-Syndrom). Der Sonntag ist hingegen wieder von Abschied geprägt, was zu einer inneren Ablehnung und zur Missstimmung auf beiden Seiten führt. Dieser Abschiedsschmerz wird von Person zu Person unterschiedlich ausgelebt. Während sich der eine an den Partner klammert und eine sehr intensive Verbindung erlebt, wendet sich der andere aus Protest vom Partner ab, gewissermaßen als Selbstschutz vor dem Abschiedsschmerz. Dem Sonntags-Syndrom folgt der Montags-Blues, der gekennzeichnet ist von Einsamkeit, Trauer und starken Verlassenheitsgefühlen.

Liebe auf Distanz – Die Chancen einer Fernbeziehung

Auch wenn es paradox klingen mag: Als Paar in einer Fernbeziehung kann man sich näher kommen, als es möglich wäre, wenn man sich täglich sieht. Änderungen in der Persönlichkeit oder am Äußeren werden vom Partner sehr viel schneller erkannt und erlebt. Zudem bietet eine Fernbeziehung die Gelegenheit zur gemeinsamen Entwicklung als Paar sowie die Chance, selbst reifer zu werden. Auch das Herausbilden eines paarunabhängigen Selbstbewusstseins (Stichwort: Ich definiere meinen Wert nicht über den Partner) und das Erlernen einer gewissen Selbstständigkeit zählen zu den großen Chancen einer Fernbeziehung. 

Tipps für eine erfüllende Fernbeziehung

Zuallererst muss man selbst herausfinden, ob man für eine Fernbeziehung überhaupt geschaffen ist. Liebe auf Distanz ist nicht jedermanns Sache. Vor allem wenn man sehr auf Zärtlichkeiten, Aufmerksamkeit und körperliche Nähe angewiesen ist und schnell zur Eifersucht neigt, ist eine Fernbeziehung vielleicht nicht unbedingt das richtige für einen selbst, auch wenn eine Trennung vom lieb gewonnenen Partner aktuell noch sehr viel weniger gewollt wird.

Tipp 1: Alltägliche Dinge miteinander teilen

Es sind vor allem die kleinen Dinge des Alltags, die man während einer Fernbeziehung ohne den Partner erlebt. Auch wenn der Alltag auf den ersten Blick langweilig oder unwichtig erscheint, müssen Sie sich zwingen, Ihrem Partner auch von diesen Dingen zu berichten, denn ansonsten grenzen Sie ihn mehr und mehr aus Ihrem Leben aus, was zu einem Verlust von Nähe und Vertrautheit führen wird. Vielleicht interessieren ihn gerade die Dinge, die Sie selbst für banal und unwichtig erachten, denn schließlich möchte er sich immer wieder ein aktuelles Bild Ihres Alltags ohne ihn machen können.

Tipp 2: Durch gemeinsame Rituale die Fernbeziehung stärken

Rituale können dabei hilfreich sein, das „Wir-Gefühl“ in einer Fernbeziehung zu stärken. Hierzu kann der tägliche Anruf nach der Arbeit ebenso zählen wie eine individuelle Abschiedszeremonie vor der erneuten Trennung. Sie sollten Ihre Rituale mit dem Partner pflegen, denn diese geben Vertrauen, zum einen zum Partner und zum anderen in die Beziehung selbst.

Tipp 3: Auf eine gute Kommunikation achten

Kommunikation, die von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist, ist die Grundlage einer jeden guten Beziehung. Kommunikation ist jedoch für eine Fernbeziehung besonders wichtig. Zum einen, weil sie vielleicht sogar im Voraus geplant werden muss und nicht jederzeit möglich ist (beispielsweise bei Zeitverschiebung, wenn ein Partner im Ausland wohnt) und zum anderen, weil man sich häufig sehr viel zu erzählen hat, da man nur wenig gemeinsam erlebt. Nur durch ausreichende Kommunikation ist es möglich, den Partner am eigenen Alltag und Leben teilhaben zu lassen, was wiederum wichtig dafür ist, um Verständnis und Nähe füreinander aufrechtzuerhalten. Vor allem wenn man nicht persönlich miteinander sprechen kann, sondern per E-Mail oder SMS kommuniziert, kann es leicht zu Missverständnissen kommen, da Körpersprache und Mimik bei diesen Kommunikationsformen fehlen. Klare Worte sind daher für eine Fernbeziehung sehr wichtig, sodass der Partner stets weiß, woran er ist.

Tipp 4: Eifersucht überwinden und dem Partner vertrauen

Sich nicht von Eifersucht zerfressen zu lassen: Dies ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben, der man sich bei einer Fernbeziehung stellen muss. Vertrauen in einer Partnerschaft lässt sich natürlich nicht herbeizaubern; es muss wachsen und gestärkt werden. Sie selbst sollten Ihrem Partner daher keinen Anlass geben, um eifersüchtig zu sein. „Spielen“ Sie auch nicht damit, Ihren Partner eifersüchtig zu machen. Dies ist – vor allem über die Distanz – unfair und wird Ihrer Beziehung nicht gut tun.

Tipp 5: Konstruktiv streiten – auch aus der Entfernung

Auch in einer Fernbeziehung will konstruktives Streiten gelernt sein. Häufig ist bei Partnern in einer Fernbeziehung zu beobachten, dass Streit vermieden und Ärger heruntergeschluckt wird. Die gemeinsame Zeit ist schließlich kurz und man möchte sie nicht durch einen Streit verderben. Zudem reden sich viele Personen ein, dass der Partner ja bald wieder weg sei und somit auch das jeweilige Problem. Allerdings ist dies der falsche Weg, denn man muss auch in einer Fernbeziehung problematische Dinge ansprechen können. Ein Streit gehört auch zu einer Fernbeziehung einfach dazu.

Unterdrückter Ärger wird die gemeinsame Zeit nicht harmonischer gestalten. Es ist wenig sinnvoll, fällige Auseinandersetzungen von einem Treffen zum nächsten zu verschieben. Stellt man sich dem Streit hingegen, geht es einem hinterher sehr wahrscheinlich besser. Wenn ein Streit in der getrennten Zeit entsteht, seien Sie auf keinen Fall zu lange unerreichbar für den Partner. Dies ist nicht nur unfair, sondern ruft bei Ihrem Partner auch Gefühle hervor, die in einem normalen Streit oftmals nicht auftreten.

Fazit

Eine Fernbeziehung muss nicht nur problematisch und schwierig sein, sondern verfügt auch über positive Aspekte und Potential für eine starke Partnerschaft. Liebe auf Distanz kann gewisse Vorteile mit sich bringen, die es in einer normalen Beziehung nicht gibt. Die Zeit gemeinsam wird besonders intensiv genossen und stellt etwas Besonderes dar. Entsprechend sollte die Zeit zu zweit gut genutzt werden, allerdings ohne allzu viel Planung und Stress im Vorfeld. Sie sollten es einfach genießen, wenn Sie Ihren Partner um sich herum haben und sich auf die gemeinsame Zeit mit ihm freuen.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

 

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