Gewollte Kinderlosigkeit in Ehe und Partnerschaft

Kinderlos

Fortpflanzung ist ein Naturprogramm. Als solches betrifft sie natürlich auch die Menschheit, ist deswegen aber noch lange nicht Pflicht jedes Menschen. Niemand ist dazu verpflichtet, sich fortzupflanzen, damit die Menschheit nicht ausstirbt. Im Gegenteil: Die Menschheit wächst schneller, als die Ressourcen der Erde sich erneuern können, und die Überbevölkerung des Planeten gibt seit Jahrzehnten Anlass zur Sorge. Trotzdem werden täglich Wunschkinder gezeugt, und Nachwuchs steht weiterhin viel mehr für Glück, Erfüllung und Hoffnung als für drohenden Weltuntergang.

In den westlichen Industrienationen wird der Wert einer Partnerschaft allerdings heute weit weniger über den Kindersegen definiert als noch vor wenigen Generationen. Verhütung wird schon in den Schulen gelehrt; sie ist in der Gesellschaft weitestgehend anerkannt, und jeder hat Zugriff auf diesbezügliche Produkte und Methodenwissen.

Durch die Unterteilung in ungewollte und gewollte Schwangerschaft sowie das Anbieten und Akzeptieren von Alternativen ist das Naturprogramm „Fortpflanzung“ zur Entscheidungsaufgabe des Einzelnen geworden. Wo früher einfach Gott lenkte oder die Natur ihr Recht bekam, ist heute das Individuum gefragt – und mit dieser Frage logischerweise rational völlig überfordert.

Der Mensch kann manche Gefahren direkt mit seinen Sinnen erfassen und andere durch seine Vorstellungskraft auf sich selbst beziehen. Doch er hat weder einen Sinn für Risiken, noch kann er in die Zukunft sehen. Statistiken helfen ihm bei seinen Entscheidungen nur am Rande, indem sie ein Gefühl mit Zahlen zu bestätigen oder zu widerlegen scheinen. Tatsächlich vertrauen Menschen ihrer inneren Stimme jedoch meist mehr als der solidesten Statistik – wer genau weiß, was er will, braucht keine Entscheidungshilfe. 

Glück geht mit und ohne Kinder

Es gibt keine rein rationale oder objektive Entscheidung für oder gegen Kinder. Folglich gibt es zu dieser Frage auch keine einsamen Entscheidungen – schon gar nicht in einer Partnerschaft.

Viele, die in früheren Jahren eine individuelle Entscheidung zu diesem grundsätzlichen Thema getroffen haben, ändern ihre Meinung, wenn sie ihren Wunschpartner gefunden haben. Was richtig für einen war, muss für zwei, die zueinander passen, nicht mehr richtig sein. Wesentlich ist nur, dass die Entscheidung letztlich gemeinsam getroffen und von beiden als richtig empfunden wird. Ordnet sich ein Partner dem Willen des anderen unter und verzichtet dafür auf die Erfüllung einer grundlegenden Sehnsucht, belastet dies auf Dauer die Partnerschaft und führt in vielen Fällen schließlich zur Trennung.

Von beiden Partnern gewollte Kinderlosigkeit ist – ebenso wie gemeinsame Wunschkinder – kein Problem und folglich auch nicht Sache des Ehetherapeuten oder Paartherapeuten. Unerfüllter Kinderwunsch führt jedoch häufig zu Spannungen und Paarproblemen. Hat einer der Partner bereits Kinder, die der andere nicht akzeptiert, erschwert dies das Zusammenleben beträchtlich oder verhindert es sogar ganz. Als besonders bedrückend wird das Unverständnis für die Haltung des anderen empfunden, die der eigenen in einem so wichtigen Punkt widerspricht. Wer die Beweggründe seines Partners nicht nachvollziehen kann, fühlt sich ihnen gegenüber hilflos und ohnmächtig.

Gründe erkennen und prüfen

Gründe für und gegen eigene oder angenommene Kinder lassen sich viele aufführen. Ihre Wertigkeit oder Wichtigkeit ist immer persönlich und lässt sich daher nicht allgemeingültig sortieren. Unterschieden werden können zwar Gründe, die in der Vergangenheit liegen, und solche, die sich auf die Zukunft beziehen – oft hält diese Unterscheidung jedoch nur dem ersten Blick stand. Wer etwa früher ein unglückliches Kind war oder von den Eltern hören musste, wie einfacher es für sie ohne ihn wäre, überträgt diese negativen Erfahrungen und Ängste von der Vergangenheit auf die Zukunft und befürchtet, seine eigenen Kinder könnten unglücklich werden oder ihn bei seinem eigenen Lebensglück bzw. in seiner Selbstverwirklichung behindern. Oft ist es für die Betroffenen selbst schwer, einen klaren Trennungsstrich zu ziehen: Fürchten sie um ihr eigenes Wohlbefinden oder um das der anderen? Leben sie ihre eigenen Ängste aus oder führen sie nur die von anderen fort? Nicht zuletzt gilt es abzuwägen, was schwerer wiegt: Der früher gefasste Entschluss oder der anstehende, der oft über Fortbestand oder Scheitern der Beziehung entscheidet.

Da sich der Entschluss, kinderlos zu bleiben, aufgrund der biologischen Gegebenheiten nicht beliebig spät revidieren lässt, müssen Paare den Mut aufbringen, ihre Wünsche und Motive einzeln und gemeinsam zu erkennen und zu hinterfragen. Sie müssen rechtzeitig und vor allem gemeinsam entscheiden und sollten sich bei Unvereinbarkeit der Interessen lieber trennen, als fürs Leben einen Kompromiss einzugehen, der einen oder beide unbefriedigt lässt. Hinhaltetaktiken lohnen sich langfristig nicht, denn sie werden fast immer durchschaut und gefährden das Selbstwertgefühl der Beteiligten und die Vertrauensbasis der Partnerschaft.

Entscheidungen fürs Leben erfordern Vertrauen

Grundsätzliche Entscheidungen für die Zukunft werden am besten aus dem Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit heraus getroffen. Wer gern lebt, optimistisch denkt und ein solides Grundvertrauen in sich fühlt, tut sich generell leichter mit Entscheidungen, da er davon ausgeht, dass alles gut wird und Probleme sich lösen lassen. Wer in sich und die Welt weniger Vertrauen hat, fürchtet eher, falsch zu entscheiden oder sich beeinflussen zu lassen, und ist daher auch anfälliger gegenüber Zweifeln.

Ziel aller gemeinsamen Lebenskonzepte – ob mit oder ohne Kinder – ist, alle Beteiligten in ihrer Persönlichkeit zu stärken, sie im Gefühl leben zu lassen, das Richtige zu tun, und ihnen die Erfüllung ihrer Träume zu ermöglichen. Offenheit, gute Kommunikation und viel Selbsterkenntnis gehören immer dazu, ebenso wie Verantwortungsgefühl und Empathie. Alle Strategien, die Mut machen und das Vertrauen stärken, sind gut, wenn es um das gemeinsame Treffen einer richtigen Entscheidung geht – denn letztendlich sind Vertrauen und Mut das einzig Wahre, wenn es um eine so abstrakte Größe wie die Zukunft geht.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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