Liebeskummer – wenn das Herz nicht heilen will

Tipps zum bewältigen/überwinden von Liebeskummer

Erfüllte Liebe ist eine Grundvoraussetzung für Lebensglück und Zufriedenheit. Im Umkehrschluss kann unerfüllte, unerreichbare oder verlorene Liebe einen Menschen tief unglücklich machen.

Liebeskummer hat viele Facetten. Fast jeder Mensch erlebt ihn im Laufe seines Lebens mindestens einmal und muss dann einen Weg finden, damit umzugehen und darüber hinwegzukommen. Nicht immer gelingt das ohne Hilfe: Je nach persönlicher Situation, Veranlagung und Herangehensweise kann sich Liebeskummer über Jahre hinziehen, verselbständigen und auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Ein gebrochenes Herz, eine unstillbare Sehnsucht, der Verlust oder die Zurückweisung eines geliebten Menschen können zu schweren seelischen, geistigen und körperlichen Krankheiten führen und im schlimmsten Fall zu Verzweiflungs- und Gewalttaten bis hin zu Suizid oder Mord.

Wie viel Liebeskummer ist normal?
Liebeskummer durchläuft mehrere Phasen: Dem ersten Schock durch die Trennung oder Zurückweisung  folgt eine Zeit der Verwirrung und Verdrängung, bevor die Situation in ihrem gesamten Ausmaß erfasst wird. Erst dann wird der Liebeskummer akut: Alte und neue Gefühle  brechen auf, Verletzungen werden fühlbar, körperliche Symptome und geistige Stressreaktionen zeigen sich. Zu den häufigsten gehören Kopf- und Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Heißhungerattacken, Schlaf-, Lern- und Konzentrationsstörungen, dauernde Nervosität, Reizbarkeit und Apathie. Nicht wenige flüchten in Rauscherlebnisse, etwa durch Alkohol- und Drogenkonsum oder Workoholismus.

Diese Phase kann sich über Monate hinziehen, geht jedoch bei den meisten Betroffenen nach rund einem Jahr von selbst vorüber. Es folgt eine Zeit der Neuorientierung und der Aufbruchsstimmung – das Leben geht weiter, oft mit bewusst geänderten Plänen und einem neuen Konzept.

Liebesschmerz, Liebeskrankheit, Liebeswahn
Nicht nur der Volksmund, auch die Weltliteratur kennt viele Worte und Beispiele für Liebeskummer. In Sagen, Märchen und Romanen wird unerwiderte und verlorene Liebe oft romantisch verklärt und überhöht; Held oder Heldin zelebrieren ihr Leid, verfallen auf spektakuläre Weise dem Wahnsinn, nehmen blutige Rache oder versinken unrettbar in Melancholie, Weltschmerz und Todessehnsucht.

Tatsächlich sind die Symptome schweren Liebeskummers bei Märchenprinzen, Romanhelden und Tafelrundenrittern die gleichen wie bei Hausfrauen, Arbeitern, Familienvätern oder Führungskräften der heutigen Zeit. Der Wunsch, sich oder dem anderen das Gesicht zu zerkratzen, die Wände anzuschreien, vom höchsten Turm zu springen oder wie ein Tier in den Wäldern zu leben,  ist auch im 21. Jahrhundert keineswegs ungewöhnlich. Wenn das Herz einfach nicht heilen will und das Glück unerreichbar oder für immer verloren scheint, werden die Welt und das Leben selbst als leer, sinn- und wertlos empfunden.

Ein solcher Zustand tiefster und dauerhafter Verzweiflung ist für Betroffene praktisch unerträglich. Er ruiniert Lebensqualität, Gesundheit und Karriere und steht allen Plänen und Strategien im Weg. In dieser Ausprägung ist Liebeskummer eine gefährliche Krankheit, die professionelle Hilfe erfordert. Wie aber lässt sich erklären, dass manche Menschen dieses Leid niemals, andere hingegen immer wieder erleben?

Gibt es einen Liebeskummer-Typ?
Enttäuschungen, Zurückweisungen und Verluste gehören zum Leben. Daher bietet die menschliche Natur auch verschiedene Strategien zu deren Bewältigung an, die jedoch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich erlernt und genutzt werden. Dabei spielen Erziehung, Kultur, soziales Umfeld, Erfahrung und Charakter wichtige Rollen.

Generell fällt es extrovertierten, geselligen, körperlich aktiven und optimistischen Menschen leichter, sich wie Baron von Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen. Denn sie nutzen dabei nicht nur die inneren Quellen ihrer positiven Weltsicht, sondern auch ihre Umgebung, etwa Familie, Freunde, die Natur oder das kulturelle und sportliche Angebot ihrer Region. Dadurch holen sie sich, was sie brauchen: Auszeiten, Trost, Unterstützung und die Möglichkeit, Wut und Trauer auf konstruktive Weise abzureagieren. In sich gekehrte, verschlossene, eher pessimistisch eingestellte und grüblerische Menschen brauchen in der Regel länger, um über Liebeskummer hinwegzukommen. Sie sind auch anfälliger für Liebeskummer, der entsteht, weil sie sich gar nicht erst trauen, der geliebten Person ihre Liebe zu offenbaren – Kummer als Ersatz statt Konsequenz einer Handlung.

Liebeskummer bei Frauen und Männern
Männer leiden stärker unter Liebeskummer, denn sie leiden meist allein und im Verborgenen. Aufgrund von traditionellen Geschlechterrollen fällt es Männern immer noch schwerer, sich in schwachen Momenten anderen anzuvertrauen, über Gefühle zu sprechen oder Hilflosigkeit einzugestehen. Viele greifen stattdessen auf Beschäftigungs- und Verdrängungsstrategien zurück, um den Kummer zu vergessen: Sie stürzen sich in ihre Arbeit, erlegen sich neue Pflichten auf oder suchen schon bald eine neue Partnerschaft oder sexuelle Abenteuer, um das angeknackste Selbstvertrauen zu reparieren. Das kann unter Umständen sogar funktionieren, denn auch bei Liebeskummer haben Zeit und Ablenkung eine heilende Wirkung.

Frauen suchen eher eine Schulter zum Ausweinen, eine zweite Meinung oder guten Rat. Daher sind es auch meist Frauen, die bei Liebeskummer psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und das Gespräch mit einem Therapeuten suchen.

Isolation, Selbstaufgabe und Fixierung
Wer an übermäßigem Liebeskummer leidet, handelt nicht mehr rational. Daher ist es wenig hilfreich, Betroffenen zu erklären, sie müssten sich endlich mit der Realität abfinden, vernünftig sein oder einsehen, dass die geliebte Person es doch gar nicht wert sein, ihr derart hinterherzutrauern. Ähnlich wie Eifersucht strahlt akuter Liebeskummer nämlich nur einen einzigen Menschen an, den verlorenen oder unerreichbaren, und lässt alle anderen im Schatten versinken. „Wo ich ihn nicht hab, ist mir das Grab“, singt Goethes Gretchen, obwohl ihr zu diesem Zeitpunkt schon dämmern könnte, dass ihr Heinrich kein Engel ist.

Die Fixierung auf den geliebten Menschen kann so stark sein, dass Selbstwertgefühl, Logik, Moralbegriffe und Prinzipien darunter leiden oder sogar völlig außer Sicht und Kontrolle geraten. Darum können Außenstehende, selbst enge Freunde oder Familienmitglieder, oft nicht einmal sicher einschätzen, ob angedeutete oder klar geäußerte Selbstmordfantasien, Morddrohungen etc. ernst gemeint oder nur verbales Dampfablassen sind. Tatsächlich hätten sich die wenigsten, die aus Liebeskummer zum Stalker werden, sich selbst verletzen oder auf andere Art extrem reagieren, dieses Verhalten vorher selbst zugetraut.

Auch im rationalen Zweifelsfall ist es also immer ratsam, Betroffene in ihrem Leid ernstzunehmen, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen und darauf zu achten, dass sie sich nicht zu lange und zu weit von Welt, Menschen und Realität entfernen. Spätestens beim Gefühl drohender Gefahr, dauerhafter Vernachlässigung oder Überforderung wird es allerdings Zeit, einen Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten zu Hilfe zu holen.

Das Broken-Heart-Syndrom
Im Jahr 1991 wurde das „gebrochene Herz“ erstmals als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben; der medizinische Name lautet Stress-Kardiomyopathie. Dabei kommt es durch übermäßige Ausschüttung von Stresshormonen zu infarktähnlichen Herzfunktionsstörungen, die sogar tödlich enden können.  Vor allem Frauen über 40 sind betroffen.

Glücklicherweise verläuft das Broken-Heart-Syndrom meist günstig und hinterlässt keine bleibenden Schäden: Nach einigen Wochen normalisiert sich die Herzfunktion. Wer jedoch bei Liebeskummer plötzlich unter Herzstichen, Herzrhythmusstörungen und Herzflattern leidet oder Infarktwarnzeichen wie Atemnot oder heftige Arm- und Schulterschmerzen bemerkt, sollte das dringend seinem Arzt mitteilen.

Das Beste aus dem Liebeskummer herausholen
Egal, wie schlimm es ist: Am Ende steht ein Mehrwert an Persönlichkeit, Erfahrung und Reife. Wer sich kreativ austoben kann, sollte von seinen Fertigkeiten und Talenten reichlich Gebrauch machen: Aus Liebeskummer entstanden einige der schönsten Musik- und Theaterstücke, Lieder, Bilder, Gedichte und Geschichten der Welt. Auch das Tagebuchschreiben hilft, ebenso Gespräche, handwerkliches Arbeiten und alles, was den Sinnen guttut und die überreizten Nerven beruhigt – vom Schaumbad über die Bergtour bis zum Hausputz.

 

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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