Machtverhältnisse in Partnerschaften, Beziehungen

Im Grunde strebt jeder Mensch von Natur aus nach Macht. Macht bedeutet Kontrolle und was gibt es Schöneres, als sein Leben und sein Umfeld in gewissem Maße kontrollieren zu können. Durch Macht und Kontrolle wird das eigene Leben berechenbarer, was wiederum Sicherheit mit sich bringt. Das Streben nach Macht ist also per se nichts Verwerfliches oder Negatives.

Auch Beziehungen sind von einem gewissen Machtgefüge gekennzeichnet. In der Regel reißt ein Partner mehr Macht an sich als der andere. Dies kann sich bereits in banalen Dingen äußern, wie beispielsweise der Auswahl des allabendlichen Fernsehprogramms. Kritisch wird es immer dann, wenn ein Partner seine Machtposition missbraucht. Dies führt in der Regel zu Konflikten und Streits, die auch im Rahmen einer Paartherapie nicht immer einfach zu lösen sind.

Wodurch ist Macht in Beziehungen gekennzeichnet?

Grundsätzlich ist es der Einfluss, den Menschen in einer Partnerschaft aufeinander ausüben, der eine Beziehung erst möglich macht. Hiermit ist gemeint, dass sich nur von einer engen Beziehung sprechen lässt, wenn das Verhalten des einen Partners positive oder auch negative Konsequenzen für den anderen Partner nach sich zieht.

Positive Belohnungen und negative Sanktionen in einer Beziehung

In der Lernpsychologie ist es eine grundlegende Annahme, dass jeder Mensch vorwiegend solche Verhaltensweisen an den Tag legt, die zu einem früheren Zeitpunkt eine Belohnung nach sich gezogen haben. Ebenso wird jeder Mensch Verhaltensweisen meiden, die zu einem früheren Zeitpunkt negativ sanktioniert worden sind. In Partnerschaften verhält sich dies nicht anders, denn schließlich möchten beide Partner in der Beziehung möglichst viele positive und möglichst wenige negative Erfahrungen machen.

Der Begriff Macht in einer Beziehung kommt immer dann ins Spiel, wenn man sich überlegt, durch wen Belohnungen und Bestrafungen erhalten werden. Ein Mann, der seiner Frau Blumen schenkt, lernt, dass sein Verhalten positive Konsequenzen für seine Partnerin hat. Wenn der Mann hingegen seine Frau kritisiert, wird dies negative Auswirkungen auf sie haben. Selbstverständlich kann sich eine Frau auch selber Blumen kaufen oder sich selbst kritisieren, wäre jedoch in diesem Fall vom Verhalten des Partners vollkommen unabhängig. Eine enge Beziehung ist nur dann gegeben, wenn sich beide Partner gegenseitig beeinflussen. Ist das Verhalten des einen Partners für den anderen hingegen vollkommen bedeutungslos, kann nicht von einer engen Partnerschaft gesprochen werden. Dies wiederum führt zur These, dass Abhängigkeit und ihr Gegenteil, Macht, in jeder Beziehung vorhanden sind. Wenn freudige Ereignisse oder Belohnungen nur über den Partner beschafft werden können, ist einer der Partner abhängig vom anderen. Wenn sich diese Belohnungen selbst beschaffen lassen, ist man hingegen unabhängig. Bezogen auf das klassische Rollenmuster von Mann und Frau bedeutet dies, dass ein Mann von seiner Frau abhängig ist, wenn er beispielsweise die notwendige Hausarbeit nicht selbst verrichten kann. Eine Frau, die selbst nicht berufstätig ist, ist hingegen finanziell von ihrem Partner abhängig.

Gegenseitige und einseitige Abhängigkeiten in einer Beziehung

In der Regel sind beide Partner in ihrer Beziehung zufrieden, wenn beide das Gefühl haben, in gleichem Maße aufeinander angewiesen zu sein. Jedoch existieren auch ausreichend Beispiele für Partnerschaften, in denen die Macht ungleich verteilt ist. Um beim Beispiel der klassische Rollenverteilung zu bleiben, wird die Hausarbeit der Partnerin für einen Mann weniger bedeutsam sein, wenn er es sich finanziell leisten kann, eine Haushälterin zu beschäftigen. Ist die Partnerin in dieser Beziehung selbst nicht berufstätig, wird sie von ihrem Partner (finanziell) abhängiger sein als umgekehrt.

In einer Beziehung ist immer derjenige abhängiger, der für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse auf den Partner angewiesen ist.

Der soziale Einfluss in Partnerschaften

Auch der soziale Einfluss kann in Beziehungen gleich oder ungleich verteilt sein. Hiermit ist die Macht eines Partners gemeint, die Meinung, Urteile oder das Verhalten des anderen Partners zu beeinflussen. Natürlich können sich beide Partner in einer Beziehung die verschiedenen Kompetenzbereiche aufteilen. Der eine ist beispielsweise für die Anschaffung des neuen Fernsehers verantwortlich, während der andere Partner den Urlaub planen darf. In diesem Fall kann von einer gleichberechtigten Partnerschaft gesprochen werden. Ungleich hingegen ist der soziale Einfluss dann verteilt, wenn ein Partner das letzte Wort bei der Mehrzahl der Entscheidungen hat.

Subtile Machtausübungen in einer Beziehung

Nicht immer lassen sich die Machtverhältnisse in einer Beziehung transparent darstellen. Dies ist vielfach nicht einmal für die Betroffenen selbst möglich. Wenn sich eine Frau beispielsweise stets an ihren Partner anpasst, wird sich der Mann seiner Macht nicht bewusst sein. Wenn die Frau beim Einkauf der täglichen Lebensmittel bereits die Vorlieben ihres Partners berücksichtigt und all ihre eigenen Essenspläne verwirft, die ihrem Partner womöglich nicht gefallen, sieht es nur auf den ersten Blick so aus, als wenn sie die Entscheidungen selbst getroffen hätte. Der Mann hingegen hatte jedoch passiv einen erheblichen Einfluss auf die Auswahl der Frau, der ihm jedoch nicht unbedingt gegenwärtig sein muss.

Für die Bestimmung der Machtverhältnisse in einer Beziehung ist es in erster Linie nicht relevant, wer eine Entscheidung verkündet, sondern wer darüber (!) entscheidet, wer also im Innenverhältnis der Partner untereinander entscheidet. Oftmals wird Macht subtil und damit unbemerkt ausgeübt, sodass beide Partner nicht wissen, ob sich das Machtverhältnis in der Beziehung in einem ausgewogenen Verhältnis befindet. Die exakte Bestimmung der Machtverhältnisse in der Partnerschaft ist auch im Rahmen der Paartherapie eine schwierige Herausforderung, die jedoch für die Behebung von Konflikten und Streits von zentraler Bedeutung ist.

Konsequenzen ungleich verteilter Macht in einer Partnerschaft

Die wichtigste Folge eines unausgewogenen Machtverhältnisses in einer Beziehung besteht in der Unzufriedenheit der Partner. Wie aus einer amerikanischen Studie hervorgeht, wünschen sich 87 Prozent der Männer und 95 Prozent der Frauen eine gleichberechtigte Beziehung. Aus diesem Grund sind Personen, die ihre Partnerschaft als gleichberechtigt bezeichnen, besonders zufrieden. Auffallend unzufrieden sind Männer in einer Partnerschaft, wenn die Frau über mehr Macht verfügt als sie selbst. In diesem Fall wird nicht nur die Norm der Gleichberechtigung verletzt, sondern auch das traditionelle Rollenverständnis, bei dem ein Machtvorteil des Mannes eher toleriert wird als eine dominierende Frau.

Ebenfalls sehr unzufrieden sind Personen, die sich selbst als abhängiger einstufen als ihren Partner. Personen hingegen, die der Ansicht sind, dass sie mehr Macht besitzen als der Partner, verfügen über eine mittlere Zufriedenheit. Hieraus geht hervor, dass es Personen eher vorziehen, selbst Macht in einer Beziehung auszuüben, als von ihrem Partner dominiert zu werden.

Bisher konnte noch nicht geklärt werden, ob gleichberechtigte Partnerschaften stabiler sind. Jedoch steht fest, dass sich unzufriedene Paare eher trennen als zufriedene. Somit hat der Faktor der fehlenden Gleichberechtigung in jedem Fall einen indirekten Einfluss auf die Trennungswahrscheinlichkeit in einer Beziehung.

Folgen ungleicher Machtverteilung für die Paartherapie

Nicht ohne Grund spielt das aktuelle Machtverhältnis der beiden Partner in einer Beziehung auch im Rahmen einer Paartherapie eine entscheidende Rolle. Konflikte und Streits sowie Unzufriedenheit eines Partners oder beider Partner lassen sich vielfach durch ungleiche Machtverteilung innerhalb der Beziehung erklären. Eine Aufgabe im Rahmen der Paartherapie ist es daher, den Partnern ein entsprechendes Ungleichgewicht aufzuzeigen und zu versuchen, die Machtstrukturen möglichst gleich auf den Schultern beider Partner zu verteilen.

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Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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