Wenn Schwangerschaft die Beziehung belastet

Frau schwanger, Mann genervt - wenn Schwangerschaft die Beziehung belastet

Schwangerschaft und Geburt als Herausforderung und Chance zu wachsen

Jede Schwangerschaft verändert das Leben. Vor allem die erste Schwangerschaft stellt für werdende Eltern eine Herausforderung dar, egal ob sie von langer Hand geplant oder eher eine Überraschung ist. Die lange Zeit des Wartens ist verbunden mit starken Emotionen, deren Spektrum nahezu unbegrenzt ist und die zuweilen so rasch wechseln, dass die Betroffenen sich ihnen hilflos ausgeliefert fühlen. Kommen dann noch zusätzliche Komplikationen hinzu, kann die allgemeine Überforderung zu neuen Beziehungskrisen führen oder scheinbar überwundene Konflikte wieder aufleben lassen.

Wenn Ängste, Trauer, Stress oder Streit die Liebe belasten und die schönen Seiten der Schwangerschaft überschatten, finden Liebende Rat und Hilfe bei einem Paarberater bzw. Eheberater.

Dem Körper aufmerksam zuhören

Die häufigsten unangenehmen Begleiterscheinungen der Schwangerschaft plagen die wenigsten Frauen volle neun Monate lang. Morgenübelkeit tritt vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) auf. Mit zunehmend dickerem Bauch neigen Schwangere später zu Sodbrennen, Verspannungen, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen, geschwollenen Füßen etc. Kommen viele solcher Beschwerden zusammen, kann die anhaltende körperliche Dysbalance Herz, Seele und Sexleben aus dem Rhythmus bringen und so die Beziehung belasten. Es ist schwer, sich selbst und dem Partner dann immer nur mit Humor, Geduld und Verständnis zu begegnen.

Bei regelmäßigen, kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen kann sich hierzulande jede Schwangere über ihren und den Gesundheits- und Entwicklungszustand ihres Babys informieren und beraten lassen. Zudem gibt es ein breites Angebot an Kursen rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft, die Paare auch gemeinsam besuchen können. Die Vielzahl der Möglichkeiten kann jedoch auch verwirrend sein, denn sie suggeriert gerade unsicheren Paaren, allein nicht über das nötige Rüstzeug und die erforderliche Kompetenz zu verfügen, um das Beste für sich und ihr Kind zu tun.

Zum Glück verlaufen die meisten Schwangerschaften und Geburten unkompliziert; Vertrauen in die Kraft der Natur ist also durchaus angebracht. Fragen zum Thema Ernährung, medizinische Versorgung oder Bewegung in der Schwangerschaft beantworten Frauenarzt bzw. Hebamme im Zweifelsfall zuverlässiger als Freundeskreis und Familie, Magazine oder das Internet. Eine Paarberatung oder Partnertherapie kann hilfreich sein, wenn die Schwangerschaft unerwartete oder stark belastende Konflikte auslöst. Mögliche Symptome hierfür sind:

  • Starker Rückgang oder Erlöschen der Libido bzw. gemeinsamen Sexualität
  • Starke, anhaltende Zweifel an der gemeinsamen Lebensplanung
  • Ungeklärte oder unerfüllte Wünsche hinsichtlich der Geburt (Ort, Ablauf etc.)

Gerade der letzte Punkt wird oft vernachlässigt, denn er betrifft vor allem Männer. Die Frau muss bei der Geburt dabei sein, der Mann kann – wenn er und die Frau das möchten. Von modernen westlichen Männern wird jedoch erwartet, an diesem Ereignis teilnehmen zu wollen, ebenso wie moderne westliche Frauen selbstverständlich ihre Männer mit in den Kreißsaal nehmen. Wer hiervon abweichende Ansichten oder Wünsche hat, muss fürchten, den Partner damit zu verletzen oder zu enttäuschen. Mittlerweile traut sich kaum noch ein Mann, zuzugeben, dass er vielleicht lieber vor der Tür warten würde; kaum eine Frau traut sich zuzugeben, dass ihr das eigentlich ganz recht wäre. Dabei spricht dagegen ebenso wenig wie gegen ein gemeinsames Geburtserlebnis.

Wenn sich bei wichtigen Punkten keine Einigkeit erzielen lässt oder wesentliche Themen tabuisiert werden, kann das ein Hinweis auf tiefer liegende Probleme oder Kommunikationsstörungen sein, deren Klärung vor der Geburt des Kindes auf jeden Fall sinnvoller ist als ein weiteres Aufschieben.

Nicht alles auf die Hormone schieben

Bei einer Paarberatung werden als Auslöser von Krisensituationen oder Paarproblemen oft die schwangerschaftstypischen Gefühlsschwankungen der werdenden Mutter genannt. Diese können jedoch nur zum Teil auf hormonelle Veränderungen zurückgeführt werden. Zudem ist es wenig förderlich, einer akut traurigen, zornigen, verunsicherten oder von körperlichen Beschwerden geplagten Frau medizinische Erklärungen anzubieten, nur weil sie gerade schwanger ist. Dennoch müssen sich Schwangere traditionell Hormongeschichten und -theorien anhören, zu denen für gewöhnlich noch ein Potpourri aus guten, gut gemeinten und zuweilen haarsträubenden Beiträgen kommt: meist aus dem sozialen Umfeld, zuweilen jedoch auch von völlig Fremden, die sich ungefragt einmischen, um ihre Botschaften beizusteuern.

Außer mit den unvermeidlichen Warnungen, Ratschlägen und Anekdoten werden Schwangere und werdende Väter vielfach mit finsterstem Aberglauben und Ammenmärchen konfrontiert, die sich wider besseres Wissen nicht immer weglachen und schnell vergessen lassen. Für die werdende Mutter ist es wichtig, sich auch bei irrationalen Ängsten, plötzlichen oder heftigen Gefühlsschwankungen auf die Souveränität des Partners verlassen zu können. Das ist jedoch keine einfache Aufgabe, denn auch das Gefühlsleben des Mannes verändert sich in der Schwangerschaft. Beide sollten versuchen, ihre Emotionen, Fragen und Probleme ernst zu nehmen, indem sie ihnen den angemessenen Raum und die nötige Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Ziel sollte immer sein, die positiven Impulse zu verstärken und negativen besonnen zu begegnen. Das Gefühl der Sicherheit, die Freude auf das Kind, Vertrauen in die Zukunft und allgemeines Wohlbefinden helfen, mit kritischen Phasen, die es in jeder Schwangerschaft gibt, zurechtzukommen.

Pragmatismus als Geheimwaffe gegen Schwangerschaftsstress

Eine Schwangerschaft ist lang, aber sie geht vorbei. Für Paare, die zum ersten Mal Eltern werden, stellt sie eine Übergangszeit dar, die im Idealfall von guter Hoffnung und froher Erwartung getragen wird. Daher ist sie auch eine gute Zeit für einen gemeinsamen Urlaub, schöne Unternehmungen oder konstruktive Arbeiten zu zweit. Dafür bietet sich vor allem das zweite Drittel der Schwangerschaft an, das die meisten Frauen als das angenehmste empfinden.

Ist das Kind erst einmal auf der Welt, haben die Eltern erfahrungsgemäß weniger Zeit füreinander und müssen den Alltag neu erlernen. Was vorher immer möglich war, muss plötzlich geplant und organisiert werden – und das können werdende Eltern bereits in der Schwangerschaft üben. So lassen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen: dass geplanter Sex sogar aufregender sein kann als spontaner, dass weder die Welt untergeht noch die Liebe in Frage gestellt wird, wenn einer gerade keine Lust hat, oder dass es immer genug morgen gibt, um nicht alles heute erledigen zu müssen.

Natürlich ist nicht jeder Paartherapeut automatisch Experte für Schwangerschafts- und Geburtsfragen. Beratende und klärende Gespräche mit dem Partner und einem geschulten Vermittler stellen jedoch in Zeiten des Umbruchs eine gute Möglichkeit dar, den gemeinsamen roten Faden wiederzufinden und festzuhalten, der Liebe den Rücken zu stärken und schließlich mit neuer Kraft im Familienleben anzukommen. Beziehungsprobleme lösen - Paarberatung kann helfen!

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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