Sexsucht betrifft nicht nur Hollywood-Stars

[Hinweis für Klienten: Die Informationen auf dieser Seite stellen - soweit sie Süchte betreffen - allgemeine Informationen zu Fragen dar, die sich häufig im Rahmen meiner Arbeit stellen. Ich greife diese Themen ggf. im Rahmen meiner Arbeit als Paartherapeutin unterstützend auf, behandele aber selbst keine Süchte.] 

Der Begriff Sexsucht ist vielen vor allem aus der Boulevardpresse bekannt. Immer wieder gibt es dort die öffentlichen Beichten von Prominenten zu lesen, die durch extensiven Verschleiß von Sexualpartnern aufgefallen sind. Obwohl die Medien dazu neigen, dieses Thema eher kokett zu behandeln, ist Sexsucht für die allermeisten Betroffenen ein ernstes Problem – auch für die Superreichen und scheinbar Privilegierten. Sexsucht zerstört Ehen, bringt Familien auseinander und kann Karrieren ruinieren, nicht nur durch das sinkende Ansehen und den zweifelhaften Ruf, der für die Betroffenen damit einhergeht, sondern auch durch andere, vielfach unterschätzte Faktoren. Dazu gehören etwa die enormen Kosten, die viele Sexsüchtige durch ihre Obsession haben: Das Führen eines Doppellebens mit Termindruck, Lügen, Entschädigungen und dem weiteren damit verbundenen logistischen und organisatorischen Aufwand kann sich längst nicht jeder über einen längeren Zeitraum hinweg leisten. Auch der psychische Druck ist hoch und bringt Sexsüchtige nicht selten an den Rand ihrer Belastbarkeit.

Was ist Sexsucht überhaupt?

Sexsucht ist keine Marotte und keine Entschuldigung fürs Fremdgehen, sondern eine Störung des normalen Sexualverhaltens, bei der die Betroffenen alle bekannten Anzeichen des Suchtverhaltens zeigen. Trotzdem ist die Definition nicht einfach, da es sich hierbei nicht um eine substanzgebundene Sucht handelt. Die Betroffenen entwickeln keine körperliche Sucht im Sinne einer Heroin- oder Morphiumabhängigkeit, bei der der Körper beim Ausbleiben der entsprechenden Substanz bestimmte Entzugssymptome zeigt, die unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein können. Daher kann Sexsucht eher als fehlende Impulskontrolle oder Zwangsverhalten bezeichnet werden und wird von Medizinern manchmal auch „Hypersexualität“, also Übersexualität genannt. Ein geeigneter Therapieansatz muss immer die Normalisierung der sexuellen Impulse und das gesunde, gesellschafts- und partnerschaftskonforme Ausleben der Sexualität zum Ziel haben, nicht den Entzug von Sex als süchtigmachender Droge.

Die drei Erkennungszeichen der Sexsucht

Vorweg muss gesagt werden, dass die im Folgenden genannten Symptome auch auftreten können, ohne dass der oder die Betroffene darum bereits als sexsüchtig gelten und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss. Kommen jedoch alle drei Erkennungszeichen zusammen und dauern über einen längeren Zeitraum an, ist ein gestörtes Sexualverhalten im Sinne einer Sexsucht sehr wahrscheinlich.

Erstes Merkmal: Überdurchschnittlich häufige Selbstbefriedigung
Sexsüchtige masturbieren deutlich häufiger als Personen mit normalem, also durchschnittlichem Sexualverhalten. Manche Betroffene berichten, dass sie während eines normalen Büroalltags bis zu zehnmal auf der Toilette verschwinden müssen, um sich selbst zum Orgasmus zu bringen. Wer ein halbes Jahr lang oder länger jeden Tag Sex hat bzw. masturbiert, gilt als hypersexuell.

Zweites Merkmal: Überdurchschnittlich starke Affinität zu Pornographie
Sexsüchtige konsumieren im Durchschnitt deutlich mehr Pornographie und verbringen damit manchmal ganze Tage. Welche Art von Pornographie konsumiert wird, hängt ganz von den persönlichen Vorlieben ab: Sexsucht muss nicht zwingend mit einem Interesse an ungewöhnlichen sexuellen Praktiken einhergehen.

Drittes Merkmal: Häufige und zwanghafte Partnerwechsel
Hier vor allem zeigen sich die Parallelen zu anderen Süchten wie Onlinesexsucht und Internetsexsucht. Sex wird zu einem zwanghaften und gefühlt unkontrollierbaren Verhalten, wobei nicht nur der Akt an sich, sondern schon das Suchen, das „Jagen“ immer neuer Sexpartner stark zwanghafte Züge aufweisen kann und den Alltag der meisten Betroffenen klar dominiert. Wider besseres Wissen lassen sie dafür wichtige Termine sausen, vernachlässigen ihre sonstigen Interessen oder geben sie zugunsten ihres Zwangs ganz auf. Wer in einer festen Partnerschaft lebt und diesen Zustand beibehalten will, hat schlechte Karten: Ähnlich wie substanzgebundene Süchte lässt sich Sexsucht vor einem aufmerksamen Partner auf Dauer nicht verstecken. Ist sie erst einmal offenbar, bedeutet sie häufig das Ende der Beziehung, da sie die Vertrauensbasis der Partnerschaft zerstört und die wenigsten Menschen emotional in der Lage sind, mit einem sexsüchtigen Partner zusammenzuleben.

Sexsucht betrifft vor allem Männer

Mit 80-95 % stellen Männer den größten Anteil der Sexsüchtigen, wobei die Dunkelziffer in beide Richtungen erheblich sein dürfte: Nicht selten wird der Begriff Sexsucht von untreuen Ehepartnern genannt, um Verständnis für eine angebliche Krankheit zu heischen, statt sich den Konsequenzen des eigenen Missverhaltens zu stellen. Auf der anderen Seite gibt es viele Betroffene, die unter ihrem zwanghaften Verhalten leiden, es aber aus Scham oder Verzweiflung totschweigen und so gut als möglich vor der Familie und dem sozialen Umfeld geheim halten. So wirkt der leichtfertige Umgang mit diesem Begriff auf zweierlei Weise kontraproduktiv: Viele Betroffene erkennen nicht, dass sie professionelle Hilfe benötigen, während nicht Betroffene den Begriff in ihrem eigenen Sinne interpretieren bzw. verfälschen und damit die klare Definition und Abgrenzung weiter erschweren. Wer wissen will, ob er sexsüchtig im Sinne einer therapiebedürftigen Verhaltensstörung ist, muss sich selbst fragen, ob er sein Sexualverhalten noch steuern und kontrollieren kann oder im Gegenteil das Gefühl hat, davon gesteuert und kontrolliert zu werden.

Sex als Belohnung, Kompensation oder Ausweg

Auch in einer liebevollen und leidenschaftlichen Beziehung kann Sex eine Belohnung darstellen, über schlechte Tage und Misserfolge hinweghelfen oder eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag bieten. Sexsüchtige erleben den Geschlechtsverkehr jedoch in den seltensten Fällen als intimen Akt, der auch geistige und seelische Nähe und Verbundenheit ausdrückt. Stattdessen fühlen sich viele gerade während des tatsächlichen Aktes völlig allein, manche berichten auch über ein willkommenes Gefühl der Betäubung, der Ich-Abschaltung beim Sex. Wie, wann und warum sich normales sexuelles Verlangen in Suchtverhalten verwandelt, ist wissenschaftlich nicht vorhersehbar und muss immer individuell betrachtet werden. Daher haben erfahrene Ehe- und Paartherapeuten auch kein Standard-Heilprogramm für Sexsüchtige im Angebot, sondern betrachten jeden Klienten als Einzelfall, dessen Weg aus der Sucht Schritt für Schritt erarbeitet und aus freien Stücken beschritten werden muss.

Wie kann Sexsucht behandelt werden?

Jeder Süchtige kann erst dann Hilfe annehmen und erfolgreich therapiert werden, wenn er sich seiner Sucht bewusst und auch gewillt ist, sie zu konfrontieren und loszuwerden. Von großer Hilfe kann ein verständnisvoller und starker Partner sein, der den Weg mit dem Süchtigen gemeinsam geht – Voraussetzung hierfür ist jedoch eine äußerst stabile, tragfähige Beziehung, die auch die notwendige Offenheit während einer Paar- oder Einzeltherapie auszuhalten vermag. Wer an seinem Partner ein zwanghaftes Sexualverhalten bemerkt, sollte nicht zögern, ihn darauf anzusprechen: Je früher Sexsucht bemerkt und therapiert wird, desto weniger kann sie kaputtmachen. 

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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