Trennungsphasen – Beziehungsende und Liebeskummer

Liebeskummer hat viele Gesichter: die Phasen einer Trennung aus Sicht moderner Paarberatung. Zu Hintergründen typischer Trennungsverläufe sowie Tipps und Hilfe zum Umgang mit schmerzlicher Trennung und Beziehungsende.

Das Ende einer Beziehung oder Ehe kommt selten über Nacht. Denn die Trennung von einem festen Partner ist ein Schritt, von dem es meist kein Zurück gibt und der darum beiden Beteiligten schwerfällt. Dabei ist es erst einmal Nebensache, wie lang die Partnerschaft gedauert hat, welche Gründe zur Trennung geführt haben und wer letztlich der oder die Ausschlaggebende ist. Das Beziehungs- oder Ehe-Aus bedeutet stets das Scheitern eines Plans, von dessen Gelingen die Partner anfangs fest überzeugt waren – und diese Erkenntnis ist in jedem Fall bitter.

Fast immer zeichnen sich im Verlauf einer Trennung die folgenden fünf Phasen ab:

  1. die Phase der unguten Vorahnungen und der ersten Trennungszeichen,
  2. die Phase der Verdrängung und des Nicht-wahrhaben-Wollens,
  3. die Phase des (teils blinden) Aktivismus,
  4. die Phase des Erkennens und Eingestehens,
  5. die Phase des Zorns und der Kämpfe sowie
  6. die letzte Phase, in der die Trennung als Tatsache abschließend entweder akzeptiert oder nicht akzeptiert wird.

Die erste und die letzte Phase haben in dieser Liste feste Plätze. Es beginnt immer mit Ahnungen, Verdachtsmomenten und unbestimmten, oft ungebetenen Gedanken und Gefühlen. Da stimmt etwas nicht. Da stört etwas. War das schon immer so? Was hat sich verändert? Was passiert hier?

„Meine Ruh‘ ist hin, mein Herz ist schwer“ singt Gretchen – dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Bei den anderen Phasen einer Trennung kann die Reihenfolge variieren. Es kann geschehen, dass die Phasen der Trennung so schnell ineinander übergehen, dass das Ende der Partnerschaft sehr plötzlich kommt. Bei anderen Paaren gehören Trennungsgedanken, Trennungsdrohungen oder konkrete Trennungspläne seit Jahren zum Beziehungsalltag – wie eine Art Notausgang, eine Hintertür, die man nicht zu durchschreiten braucht, so lange sie nur offensteht.

Trennung und Schuld – Akzeptanz und Schwermut

Wie die letzte Trennungsphase aussieht, hängt stark davon ab, wie die anderen verlaufen sind. Im Idealfall finden alle Schuldfragen ein Ende – nicht durch Bestimmung des Schuldigen, sondern weil ihre Beantwortung nicht mehr wichtig ist. Das Kapitel ist abgeschlossen und kann aufrechten Hauptes der Biografie hinzugefügt werden – egal, wie heldenhaft oder armselig die Protagonisten sich im Verlauf benommen haben. Eines Tages stellt man fest, dass man sich einfach nur auf die Zukunft freut. Dass die Kraft wieder da ist. Manchmal fühlt man richtig, wie man durch die Erfahrung gewachsen ist. Dass man darauf stolz sein kann. Und dass jetzt die besseren Zeiten kommen, die man nach all dem Stress verdient hat.

Einigkeit in den Zeiten des Glücks bedeutet jedoch nicht automatisch Einigkeit in den Phasen der Trennung. Darum kann der Idealfall eine ganze Weile auf sich warten lassen. Am versöhnlichsten laufen Trennungen in der Regel ab, wenn beide Partner empfinden, dass ihre Beziehung ein natürliches, also synchrones und nachvollziehbares Ende erreicht hat: Es waren gute Zeiten, aber es sollte eben doch nicht für immer sein. Eine einvernehmliche Trennung wird meist auch einvernehmlich überstanden. Schwieriger wird es, wenn einer dem anderen das Scheitern der Beziehung zur Last legt – oder wenn einer nach der Trennung seine wiedergewonnene Freiheit bejubelt, während der andere in Schwermut und Verzweiflung versinkt.

Bei jeder Trennung spielt Enttäuschung eine Rolle. Nicht selten kommen zum Ende einer Beziehung auch tatsächliche Täuschungen ans Licht. Das kann ein Seitensprung, eine Lüge oder ein vergleichbarer Treu- und Vertrauensbruch sein, den der Partner nicht verzeihen kann, aber auch eine nicht mehr tragfähige Selbsttäuschung – etwa die zu spät entdeckte Tatsache, dass die Erwartungen und Lebenspläne so stark voneinander abweichen, dass keine Basis für eine erfüllende, langfristige Partnerschaft gegeben ist.

Abhängigkeiten und Dysbalancen, die sich im Lauf einer Beziehung oft schleichend entwickeln und kaum wahrgenommen werden, können in den Phasen einer Trennung bedrohlich in den Vordergrund treten und zu extremen Belastungen führen – sowohl im emotionalen als auch im sozialen, moralischen oder wirtschaftlichen Sinne. Oft finden sich die Betroffenen in Rollen wieder, die sie weder üben konnten noch spielen wollen: die Betrogene, der Verlassene, die Arme, der Mistkerl, das Biest.

Aufgeben gilt nicht: Während der Trennung muss das Leben weitergehen

Ein wichtiges Ziel psychologischer Beratungen und Gespräche während schwieriger Trennungsphasen oder Scheidungen ist vielfach das Behalten oder Wiedererlangen der Handlungsfähigkeit. Denn in aller Regel stellt das Leben außer der Bewältigung der aktuellen Liebes- und Beziehungskrise weitere Aufgaben, die die Betroffenen auch beim schlimmsten Liebeskummer oder ärgsten Streit nicht einfach ausklammern, grob vernachlässigen oder über Bord werfen können.

Oft sind (Ex-)Partner, die sich eigentlich gerade lieber aus dem Weg gehen möchten, weil sie todtraurig, erschöpft oder stinksauer aufeinander sind, durch ganz profane und materielle Dinge zu Vernunft und Verhandlung gezwungen: der Kredit, der auf beide läuft, das gemeinsame Auto, das bereits zugesagte Familientreffen mit den üblichen Fragen der Verwandtschaft, denen sich jetzt keiner gewachsen fühlen würde.

Der Familien- und Berufsalltag muss in allen Phasen einer Trennung weitergehen, auch wenn abzusehen ist, dass die bisherigen Gewohnheiten und Abläufe sich nicht aufrechterhalten lassen. Das kann viel Arbeit, Umbruch, Leid und auch hohe Kosten bedeuten – zum Beispiel, wenn aus einem Haushalt wieder zwei werden und Fragen zu Sorgerechten, Unterhaltsansprüchen und Wohnortwechseln zu klären sind.

Allerdings lässt sich nicht pauschal sagen, dass eine Trennung härter, leidvoller oder komplizierter ist, wenn das Paar bereits eine gemeinsame Wohnung, Kinder und/oder gemeinsame finanzielle Verpflichtungen hat. Natürlich stellt eine Trennung mit Kind andere Anforderungen als das Beenden einer kinderlosen Beziehung. Doch die Tiefe und Dauer des Trennungsschmerzes sind ebenso individuell wie die Art, auf die ein Mensch damit umgeht. Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Schmerz auszuleben und auszudrücken – auch Leugnen, Überspielen und Verharmlosen gehören dazu. 

Wer leidet unter den Phasen einer Trennung am meisten?

Schmerz, Verlust und Enttäuschung lassen sich nicht ermessen – weder im Moment noch in Hinblick auf ihre möglichen Konsequenzen. Es ist also schwer bis unmöglich, von außen sicher zu erkennen, wie sehr ein Mensch unter einer Trennung leidet. Müßig sind in der Regel auch Gedanken oder gar Urteile darüber, wer von beiden mehr leidet oder wer es eher „verdient hat“. Trotzdem sind solche Überlegungen in den schwierigen Phasen einer Trennung normal.

Wenn zwei Menschen mit ihrer Liebe und ihrem Latein am Ende sind, durchwandern sie – jeder für sich allein und beide gemeinsam – auch die finstersten Tiefen ihrer Persönlichkeit. Vieles, was sich dort findet, ist erschreckend: Die Negativpalette reicht von unbändigem Zorn, Mordgelüsten und Rachefantasien bis hin zu jämmerlichem Selbstmitleid, Selbsthass, Resignation und Suizidgedanken.

Es gibt verschiedene Studien, die nahelegen, es gäbe eher frauentypische und eher männertypische Verhaltensmuster bei Trennungen. Doch entsprechende Statistiken und Durchschnittswerte nützen den Betroffenen nicht viel. Einer Frau, die vor Wut und Frust durchzudrehen glaubt und sich am liebsten betrinken und in ein sinnloses Sexabenteuer stürzen will, hilft es wenig, wenn man ihr erklärt, dass diese Art der Überreaktion eher als typisch für Männer gilt. Und was sollte ein Mann, der mit seinem Teddybär im Arm auf dem Sofa sitzt und sich durch das Vorabendprogramm weint, mit dem Wissen anfangen, dass er gerade ein eher frauentypisches Verhalten an den Tag legt?

Da Ausnahmen eine Regel nicht bestätigen, sondern widerlegen, muss man es dabei belassen, dass Trennungsverhalten, Trennungsgefühle und auch Trennungsphasen so einzigartig, persönlich und letztlich unvorhersehbar sind wie der Beziehungskontext, aus dem sie sich entwickelt haben. Wer sich gerade durch die verschiedenen Phasen seiner Trennung kämpft, hört unterwegs bestimmt einige Redewendungen und Gemeinplätze zu dem Thema. „Frauen können besser leiden“ ist ebenso gängig wie „Männer kommen immer darüber hinweg“.

Solche und ähnliche Verallgemeinerungen können nerven, aber manchmal machen sie auch Mut und helfen, die Dinge zu relativieren und gelassener zu betrachten. Es liegt schon ein gewisser Trost in der Vorstellung, dass Milliarden von Männern und Frauen seit Milliarden von Jahren bei Trennungen gegrübelt, geflucht und gelitten haben, kein Patentrezept hatten und trotzdem irgendwie darüber hinwegkommen mussten. So ist man gewissermaßen selbst mit dem einsamsten Zorn und Jammer stets in Gesellschaft.

Eheberatung und Paarberatung helfen auch in den Trennungsphasen

Durch Teilen, Erzählen, Zuhören, Innehalten und Nachdenken finden Menschen gangbare Wege aus den unterschiedlichsten Zwangslagen und Übergangslösungen. Und wer in einer schwierigen Trennung steckt und sich von der Situation, vom Partner oder von den eigenen Gefühlen überfordert fühlt, muss mit Liebeskummer und Trennungsschmerz nicht allein fertigwerden, sondern darf jede Hilfe annehmen, die er bekommen kann.

Eheberatung und Paartherapie sind nicht nur für Paare gedacht, die nach Wegen suchen, um ihre Beziehung oder Ehe zu retten. Hier finden auch Menschen in allen Phasen einer Trennung Rat und Unterstützung. Viele wenden sich – allein oder mit dem (Ex‑)Partner – an einen Eheberater bzw. Psychologen, um Antworten auf diese oder ähnliche Fragen zu finden:

  • In meiner Partnerschaft/Ehe bemerke ich gewisse Verhaltensweisen, die mich mit Sorge und Angst erfüllen. Wie soll ich diese Vorzeichen deuten? Wie kann ich Sicherheit darüber erlangen, ob sie tatsächlich auf eine Entfremdung oder bevorstehende Trennung hinweisen?
  • In unserer Beziehung läuft es schon seit längerem nicht mehr rund. Viele Gründe sprechen für das Zusammenbleiben, doch viele andere sprechen dagegen – wir hängen sozusagen in der Luft. Wie können wir gemeinsam zu einer Entscheidung finden und einen Entschluss treffen, der für uns beide richtig ist?
  • Ich möchte mich von meinem Partner trennen, obwohl ich noch viel für ihn empfinde. Ich will ihn nicht verletzen und weiß nicht, wie ich mit ihm über meine Gedanken bzw. meinen Entschluss sprechen soll.
  • Ich fühle mich in meiner Beziehung gefangen und weiß nicht, wie ich mich befreien kann.
  • Mein Partner will sich von mir trennen, doch ich kann seinen Entschluss weder nachvollziehen noch akzeptieren.
  • Ich komme über die Trennung von meinem Partner/meiner Partnerin nicht hinweg. Wie schaffe ich es, endlich einen emotionalen Schlussstrich zu ziehen, wieder nach vorn zu blicken oder mich auf eine neue Liebe einzulassen?
  • Mein Partner/meine Partnerin trauert immer noch einer früheren Beziehung nach. Wie kann ich damit (und mit meinen eigenen verletzten Gefühlen) konstruktiv umgehen?

Natürlich kann selbst der versierteste und erfahrenste Eheberater oder Paartherapeut hier ebenfalls keine Patentrezepte, Standardlösungen oder Erfolgsgarantien anbieten. Aber darum geht es den meisten Menschen, die in den Phasen einer Trennung professionellen Rat oder psychologische Unterstützung suchen, ohnehin nicht. Vielmehr steht meist die Herausforderung im Fokus, in ein akutes oder chronisches Gefühlschaos, mit dem  vielfach auch noch handfeste organisatorische und technische Herausforderungen einhergehen, mehr Struktur und mehr Überblick zu bringen.

Jede Trennung bedeutet Liebeskummer

Das Wort „Liebeskummer“, das sehr oft mit Schwärmerei, unerwiderter Liebe oder unglücklicher Verliebtheit in Zusammenhang gebracht wird, passt ebenso gut an das Ende einer Partnerschaft. Liebeskummer und Herzschmerzen aller Art begleiten uns durch alle Phasen einer Trennung. Wie genau wir mit dem Scheitern unserer Pläne, dem Verlust unserer Sicherheit und dem Erlöschen der Liebe angesichts von unlösbaren Beziehungsproblemen umgehen, hängt sowohl vom Charakter als auch vom persönlichen Erfahrungsschatz ab. Und nicht zuletzt spielt es eine große Rolle, wie die Trennung konkret vonstattengeht.

Wenn auch die Beziehung oder Ehe am Ende ist, so können die Partner trotzdem Fairness, Vernunft und innere Größe beweisen, indem sie die Trennung nicht zum Rosenkrieg ausarten lassen. Kräftezehrende, demütigende und langwierige Trennungsdramen oder Scheidungsschlachten befriedigen höchstens akute Rachegelüste. Doch unterm Strich können alle Beteiligten dabei nur verlieren: den Respekt vor dem anderen, die Selbstachtung, den Optimismus und nicht zuletzt sogar die Erinnerung an die schönen Zeiten. Und das wäre schade, denn alle diese Dinge müssen erhalten bleiben, damit irgendwann ein neues Glück mit neuem Vertrauen möglich wird.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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