Je länger Ehe und Partnerschaft hält, desto geringer ist das Trennungsrisiko

Im Volksmund ist oft vom „verflixten siebten Jahr“ der Partnerschaft oder Ehe die Rede. Doch eine neue Langzeitstudie lässt den Schluss zu, dass das erste Jahr für die Stabilität einer Beziehung viel wichtiger ist. Laut den Studienergebnissen haben Partnerschaften, die die ersten zwölf Monate gut überstanden haben, die besten Chancen, viele Jahrzehnte oder das ganze Leben lang zu halten.

Langzeitstudie berücksichtigt heterosexuelle und homosexuelle Beziehungen

Der Soziologe Michael Rosenfeld von der Stanford University hat seit 2009 das Beziehungs- bzw. Trennungsverhalten von mehr als 3.000 Frauen und Männern untersucht. An seiner Langzeitstudie haben sich sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Paare beteiligt. Das auffälligste Ergebnis: Die Trennungsquote geht bereits nach dem ersten Beziehungsjahr rapide zurück. Während rund 60 Prozent der Partnerschaften im ersten Jahr in die Brüche gingen, sank der Wert in jedem folgenden Jahr um zehn Prozent.

Für Paare, die schon fünf Jahre lang zusammen sind, liegt das Trennungsrisiko demnach nur noch bei rund 20 Prozent – egal, ob es sich um eine gleichgeschlechtliche oder heterosexuelle Partnerschaft handelt. Nach insgesamt 15 gemeinsamen Jahren liegt die Trennungsquote für homosexuelle Paare bei knapp über zehn Prozent, für heterosexuelle bei knapp fünf Prozent. Allerdings steigt das Risiko nach 25 bis 30 gemeinsamen Jahren wieder an – aber nur ganz leicht und vor allem für unverheiratete Paare.

Laut der Langzeitstudie von Michael Rosenfeld haben verheiratete Paare, die sich im ersten Jahr ihrer Beziehung nicht getrennt haben, grundsätzlich die besten Chancen auf eine lange und stabile Partnerschaft. Die Trennungsquote von hetero- und homosexuellen Ehepartnern liegt nach 20 Ehejahren bei weniger als einem Prozent. Den Hauptgrund für diese Entwicklung sieht der Soziologe in der Zeit: Partner, die länger zusammen sind, haben während ihrer gemeinsamen Zeit schon etliche Hürden zusammen überwunden und viel Engagement in ihre Beziehung gesteckt. Das stärkt das Vertrauen, intensiviert die Paarbindung und lässt daher auch optimistischer in die Zukunft blicken.

Als die Ergebnisse von Rosenfelds Langzeitstudie im Jahr 2014 erstmalig veröffentlicht wurden, lief die Studie seit fünf Jahren. Sie ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen, sondern soll noch für viele weitere Jahre fortgeführt werden. Davon erhofft sich Rosenfeld unter anderem mehr repräsentative Zahlen über die Trennungsquote von unverheirateten homosexuellen Paaren, die weniger als fünf Jahre zusammen sind. Außerdem kann er anhand der bisherigen Ergebnisse noch nicht schlüssig erklären, warum das Risiko einer Trennung nach 25 Jahren in heterosexuellen Beziehungen schneller ansteigt als in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Wichtige Meilensteine im ersten Jahr der Partnerschaft

Dass das siebte Jahr für den „Langzeiterfolg“ einer Partnerschaft eine weit geringere Rolle spielt als das erste, weiß auch der Paarberater. Denn die ersten zwölf Monate einer Beziehung halten eine Reihe von Herausforderungen bereit, an denen das Paar entweder gemeinsam wachsen oder gemeinsam scheitern kann. Sich diesen Herausforderungen zu stellen, gehört zu jeder ernstgemeinten Partnerschaft. Doch das muss nicht zwangsläufig schwer oder unangenehm werden: Viele Liebespaare, die einander vertrauen und sich auf die gemeinsame Zukunft freuen, erleben die sprichwörtlichen Hürden ihres ersten Jahres nicht als Problempunkte, sondern als Abenteuer – und bezeichnen diese Zeit auch rückblickend als besonders schön und wichtig für ihre Liebe.

1. Erster Streit und erste Versöhnung

Es mag tatsächlich Partner geben, die sich im gesamten ersten Jahr ihrer Beziehung nicht streiten. Doch die allermeisten Paare haben bis zum ersten Jahrestag bereits mindestens einen ernsteren Streit hinter sich. Und das ist auch wichtig – denn wer einen anderen Menschen richtig kennenlernen will, muss auch mal mit ihm gestritten und sich anschließend wieder mit ihm versöhnt haben. Gewissermaßen bildet der erste überstandene Streit die Basis für jede gemeinsame Streitkultur. Denn bereits hier zeichnen sich individuelle Muster ab, etwa Konfrontations- und Vermeidungsstrategien, besondere Stärken, wunde Punkte und nicht zuletzt die Zeit, die jeder braucht, um zu vergeben, zu vergessen oder seine persönliche Lehre aus dem Geschehenen zu ziehen.

2. Tiefe Gespräche über wichtige Themen

Im ersten Beziehungsjahr verbringen viele Paare besonders viel Zeit miteinander – und nutzen diese Tage und Nächte, um einander ihr Herz und ihre Gedanken zu öffnen. Sie genießen sehr intensiv die Gegenwart, erzählen sich Geschichten aus ihrer Vergangenheit und planen ihre Zukunft. Für Nähe und Vertrauen wird hier ein wichtiger Grundstein gelegt, von dem viele Paare lange zehren: Aus der Praxis der Eheberatung und Paartherapie ist bekannt, dass die Zeit für solche intensiven Gespräche oft knapper wird, wenn Kinder dazukommen oder das Paar stark in beruflichen und alltäglichen Routinen eingespannt ist.

3. Magie und Katastrophen des Alltags

Kein Mensch kann ein Jahr lang sein „Sonntagsgesicht“ zeigen. Das gelingt nicht einmal Paaren, die getrennt wohnen. Nach zwölf Monaten kennt man die Macken und mehr oder weniger niedlichen Charakterschwächen des Partners meist ebenso gut wie dessen Stärken. Man hat zusammen viel Zeit verbracht – im Bett, am Tisch, in der Küche, auf dem Sofa und wahrscheinlich auch im Badezimmer. Wenn man sich jetzt z. B. darüber ärgert, dass der Partner lieber fernsehen oder gleich schlafen möchte, ist gleichzeitig die Erinnerung daran noch frisch, wie zauberhaft es war, zum ersten Mal gemeinsam fernzusehen oder einfach einzuschlafen. Und wer nach einem Jahr immer noch zufrieden mit seiner persönlichen Sternstunden- und Katastrophenbilanz ist, kann sich auf viele weitere erfüllende Beziehungsjahre freuen.

4. Erster gemeinsamer Urlaub

Der Freude darüber, zum ersten Mal gemeinsam zu verreisen, folgt häufig große Ernüchterung. Es hätte so schön sein sollen, aber dann lief alles verkehrt: Langeweile, Streit, grundverschiedene Ideen von Erholung und Freizeitgestaltung, womöglich bestehen bereits Zweifel an der Treue des Partners, und das Essen hat auch nicht geschmeckt.

Viele Paare trennen sich nach dem ersten gemeinsamen Urlaub und erklären später, sie hätten auf der Reise erst erkannt, dass sie doch nicht zusammenpassen. Tatsächlich zeigt sich in der ungewohnten Umgebung besonders deutlich, wie tragfähig eine Beziehung ist. Wer sich im ersten Urlaub mit dem neuen Partner streitet, kann sich wieder versöhnen und später umso besser zusammenfinden. Wer sich jedoch langweilt, sollte noch einmal gründlich über seine Ansprüche und die Zukunftschancen der Partnerschaft nachdenken.

5. Familie, Freunde und soziales Umfeld

Ganz zu Anfang einer Liebesbeziehung zählt meist vor allem der Partner selbst. Doch im Lauf des ersten Jahres lernt man üblicherweise auch dessen Freunde und Familie kennen. Die ersten Treffen oder Vorstellungen sind oft von Verlegenheit und Unsicherheit begleitet, aber schon dabei zeigt sich, ob die Chemie grundsätzlich stimmt. Tut sie das nicht oder zeichnen sich schon jetzt erhebliche Differenzen ab, kann das in den weiteren Jahren die Partnerschaft stark belasten. Auf der anderen Seite arbeitet gerade in diesem Bereich die Zeit für das Paar: Eltern und Freunde sind oft zu Anfang skeptisch, gewöhnen sich aber rasch an die neuen Tatsachen, wenn sie sehen, dass die Beziehung glücklich ist.

Ein Eheberater oder Paartherapeut sieht in seiner Praxis Menschen in allen Stadien der Beziehung: Frisch Verliebte, die mit den ersten Alltagsproblemen kämpfen, langjährige (Ehe-)Partner, die alte Konflikte aufarbeiten möchten, und Paare, die sich aufgrund eines akuten oder schwelenden Streits an den Paar- oder Eheberater wenden. Zudem gehen heute längst nicht mehr nur Paare zum Paarberater, sondern auch Singles auf Partnersuche oder Menschen, die gerade eine Trennung oder Scheidung hinter sich haben.

Manchmal ist die Trennung beim Gang zum Eheberater bereits beschlossene Sache. Dann kann eine Eheberatung oder Paartherapie beiden Beteiligten helfen, diesen Schritt besser zu bewältigen und sich zumindest vernünftig und fair voneinander und von dem vergangenen Lebensabschnitt zu verabschieden. Meist sind die Paare, die zur Beratung kommen, jedoch entschlossen, ihrer Liebe noch eine Chance zu geben, ihre Ehe zu retten, eine drohende Trennung oder Scheidung abzuwenden und wieder glücklich miteinander zu werden. Und wer dazu grundsätzlich bereit ist, hat immer auch die Zeit auf seiner Seite.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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