Untreue in der Partnerschaft - Untreuer Partner

Mein Partner sagt, er kann nicht treu sein - wie soll ich mich verhalten?

Ein Seitensprung, eine Affäre, wiederholtes Fremdgehen: Untreue in der Ehe oder Partnerschaft gehört zu den häufigsten Beziehungsproblemen und auch zu den häufigsten Trennungs- und Scheidungsgründen. Viele Paare suchen Hilfe beim Eheberater oder Paartherapeuten, weil sie einen Ausweg aus dem Konflikt rund um ihren untreuen Partner finden und ihre Ehe retten wollen.

Natürlich kann eine psychologische Beratung oder Paartherapie helfen, einen Seitensprung zu verarbeiten, sich zu versöhnen, die schwere Zeit gemeinsam zu überstehen und das gestörte Vertrauens- und Liebesverhältnis wieder aufzubauen. Weit schwieriger gestaltet sich jedoch der Umgang mit einem Partner, bei dem die Untreue gewissermaßen zum Programm gehört.

Was können Sie tun, wenn Ihr Partner Sie immer wieder betrügt - und jedes Mal wort- oder gar tränenreich erklärt, er könne einfach nicht treu sein? Wie ist diese Entschuldigung oder Erklärung einzuordnen, und wie soll (oder kann) ich damit konstruktiv umgehen? Gibt es das überhaupt - Menschen, die nicht treu sein können, obwohl sie es wollen und ihren festen Partner lieben? Und wenn sich Treue lernen lässt: Kann der Eheberater oder Paartherapeut meinem Partner dabei helfen?

Kann er nicht treu sein, oder will er nicht treu sein?

Es ist schwer, einem Menschen zu glauben, der in einer festen Partnerschaft lebt, immer wieder fremdgeht und sein Verhalten dann damit erklärt, er könne nicht treu sein, obwohl er es wolle. Denn bequemer und gleichzeitig spannender kann man es sich in einer Beziehung ja gar nicht einrichten. Die Möglichkeit zum Flirt, zum unverbindlichen Seitensprung oder einer prickelnden Affäre steht immer offen, während die feste Beziehung für einen sicheren Hafen und der feste Partner für ein behagliches Nest sorgt. Fliegt die Untreue auf oder wird man mal wieder beim Fremdgehen erwischt, kann man mit der praktischen Erklärung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Untreuer Partner - Opferrolle

Wer sein Fehlverhalten (in diesem Fall die Untreue) zugibt und gleichzeitig behauptet, nicht anders handeln zu können, obwohl er wolle, weist damit jede Schuld und sogar die Verantwortung für sein eigenes Tun von sich ab. Er erklärt sich gewissermaßen selbst zum Opfer - z. B. eines Zwangs, seiner Natur oder einer unbestimmten „höheren Macht“. Damit appelliert er unmittelbar an das Mitgefühl, das Verständnis und die Hilfsbereitschaft des betrogenen Partners - eine großartige Strategie, um möglichst ungeschoren davonzukommen und einfach so weitermachen zu dürfen wie bisher.

Aus der Feder einer neutralen Eheberaterin klingt das vielleicht hart, doch die Praxis der psychologischen Paarberatung zeigt, dass fremdgehende Partner mit solchen Strategien häufig sehr lange sehr erfolgreich sind. Im Umkehrschluss bedeutet das: Viele Partner spielen bei diesem Spiel selber sehr ambitioniert und viel zu lange mit. Sie bleiben bei ihrem chronisch untreuen Partner, glauben dessen Entschuldigungen, lassen sich aus falsch verstandenem Mitleid in eine Versteher- und Helferposition drängen und begreifen viel zu spät, welche undankbare Rolle sie in ihrer Partnerschaft spielen.

Lassen Sie sich nicht einwickeln!

Viele Partner haben ein großes Talent und eine hohe Bereitschaft zum Mitfühlen und Mitleiden. Darum wirkt es auf die meisten sehr anziehend und anregend, wenn der Partner Gefühle zeigt, sein Herz öffnet und man dabei nah an den Partner herankommt und tief in ihn blicken kann - sehr gern auch in die dunkleren, wilderen Ecken. Das ist intensiv, schön und romantisch, auch in langen Beziehungen und Ehen.

Untreuer Partner – Konfliktvermeidung

Leider kann das gezielte Offenbaren von Fehlern auch eine (bewusste oder unbewusste) Methode zur Konfliktvermeidung sein - nach dem Motto: „Du weißt ja, wie ich bin, also kannst du dich nicht darüber beschweren.“ Und das größte strategische Potenzial zum Festlegen der gewünschten Rollen und Freiräume bietet natürlich ebenfalls die romantische Anfangsphase. Denn hier ist noch nichts Schlimmes passiert, und für frisch verliebte Ohren kann es spannend klingen, wenn ein (später untreuer) Partner sagt:

  • „Ich habe Angst, mich zu sehr zu verlieben und dich dann zu enttäuschen.“ 
  • „Ich will nicht auch noch dein Herz brechen. Das könnte ich nicht ertragen.“
  • „Das habe ich noch nie so offen aussprechen können.“
  • „Ich werde dir nichts versprechen, dann brauche ich dich nie anzulügen. Das bist du mir wert.“
  • „Ich glaube, dir könnte ich treu sein. Das wäre so schön.“
  • „Ich würde so gern bei jemandem ankommen, aber ich weiß nicht, wie das geht.“
  • „Bisher hat mich keine zähmen können.“
  • „Du bist die/der erste, der/dem ich das erzählt habe. Wirst du jetzt gehen?“

Es ist peinlich, aber wahr: Bei solchen Sätzen schmelzen einige Partner regelmäßig dahin und werfen im Rausch der Gefühle die Logik schwungvoll über Bord. Einige (untreue) Partner wissen das natürlich und erkennen mit sicherem Instinkt ihre Chancen.

Die schönen Sätze können liebevoll und ehrlich gemeint sein, den Anfang einer glücklichen Zeit des gemeinsamen Wachsens kennzeichnen oder über den Moment hinaus kaum etwas bedeuten. Ebenso gut kann eine Strategie dahinterstecken, routinierter Selbstbetrug oder eine Bindungsstörung. Liebe darf ruhig auch mal blind machen, aber bleiben Sie auf einem Auge wachsam, wenn Sie solche Aussagen hören. Fragen Sie nach, was genau gemeint ist, und wägen Sie das Risiko für sich persönlich (nicht für Ihren Partner!) ab.

Wenn Treue für Sie ein entscheidendes Kriterium ist, sagen Sie das klar und deutlich. Versprechen Sie Ihre Treue, wenn Sie das von Herzen wollen und sich dazu bereit fühlen - und fordern Sie entsprechend klare Aussagen und ein verbindliches Treueversprechen von Anfang an auch von Ihrem Partner ein. Das ist selbstverständlich keine lebenslange Garantie gegen einen Seitensprung, aber immerhin eine konkrete Absprache, die Sie gemeinsam treffen und einhalten und auf die Sie sich auch in Zukunft berufen können.

Lassen Sie sich nicht zur Therapeutin/zum Therapeuten machen!

Etliche Partner gehen, wenn sie gar nicht mehr weiterwissen, ohne den Partner zum Eheberater. Sie wollen ihrem Partner helfen, mit seinem Treueproblem fertigzuwerden. Sie schämen sich, weil sie selbst so sehr darunter leiden, so wütend oder erschöpft sind - denn eigentlich leidet der untreue Partner ja selbst am meisten, denn er will treu sein, aber schafft es einfach nicht.

Wenn Sie selbst schon so gedacht oder ähnliche Sätze gesprochen haben, ist es höchste Zeit, die Perspektive zu wechseln und einen Kurzurlaub in der Vernunft einzulegen. Ihre Bedürfnisse sind ebenso wichtig wie die Ihres Partners. Sollte dieser tatsächlich unter einer psychischen Krankheit wie Sexsucht, Borderline oder einer Angststörung (z. B. Bindungsangst) leiden, sind Sie immer noch nicht seine Therapeutin/Therapeut. Und selbst wenn Sie von Beruf Psychologe/in oder Paartherapeut/in wären, würden Sie die Therapie nicht selbst durchführen, sondern sich an einen Kollegen oder eine Kollegin wenden - denn eine Liebesbeziehung oder Lebenspartnerschaft kann langfristig nur auf Augenhöhe funktionieren.

Untreuer Partner - Auseinandersetzung

Ein Seitensprung ist vergleichbar mit einem Skandal in der Wirtschaft oder Politik. Es kommt etwas ans Licht, das die Beziehung belastet, das Vertrauen erschüttert und die gemeinsame Basis sowohl im Inneren als auch nach außen hin in Frage stellt. Jeder Skandal hat drei Grundphasen: Die Konfrontationsphase, die Sanktionsphase und die Rehabilitationsphase. Nach der Konfrontation mit ihren starken Gefühlen und hohen Wellen kommen Reue, Buße und praxisnahe Entscheidungen darüber, wie es am besten weitergehen soll. Diese können in der Rehabilitationsphase umgesetzt werden, außerdem kann dann auch Gras über die Sache wachsen, und neue Ereignisse und Erlebnisse können helfen, die alten ins Gesamtbild einzugliedern, sie zu relativieren, daraus zu lernen und damit zu leben.

Bei fortdauernder bzw. wiederholter Untreue bleiben überzeugende Sanktions- und Rehabilitationsphasen jedoch aus, und in der Folge verschiebt sich auch die Wahrnehmung des Problems in der Konfrontationsphase. Plötzlich scheint das Fehlverhalten normal oder unabänderlich zu sein. Werte und Wahrnehmungen verschieben sich, und durch die schiere Macht der Gewohnheit können sich in der Beziehung immer absurdere Situationen und Strukturen einschleichen. Machen Sie das Spiel nicht mit, wenn Sie damit unglücklich sind - und lösen Sie das Problem mit einem klaren Schlussstrich, wenn Ihr Partner sich nicht an die Absprachen hält.

Ist Ihr Partner wirklich krank, nimmt professionelle Hilfe in Anspruch oder hat sogar schon etliche Therapien hinter sich, ist das für Sie dennoch kein Grund, sein Fremdgehen hinzunehmen. Im Gegenteil: Behauptet er, sein Verhalten ändern zu wollen, muss er das auch zeigen, indem er es ändert. Willensbekundungen und Beteuerungen reichen nicht aus. Wenn Sie allein oder gemeinsam zum Eheberater gehen, sollte der Seitensprung darum schon Vergangenheit sein. Besteht die Affäre weiterhin, ist kaum eine vernünftige Gesprächsgrundlage gegeben, und die Chancen, eine Lösung zu finden, sind denkbar schlecht - es sei denn, sie führen bewusst eine offene Ehe oder eine Beziehung zu dritt.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Refrath (Raum Köln)

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Ilona von Serényi - Paartherapie & Eheberatung
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