Verlustangst in der Beziehung überwinden

Immer die Angst, verlassen zu werden: Verlustängste in Ehe und Partnerschaft

Wer in einer stabilen und harmonischen Beziehung lebt, möchte mit seinem Partner oder seiner Partnerin natürlich auch so lange wie möglich zusammenbleiben. Der Wunsch, einen geliebten und vertrauten Partner zu behalten, ist ebenso normal wie die Angst, ihn verlieren zu können. Je tiefer die Gefühle für den Partner sind, desto schlimmer ist die Vorstellung, er könne einmal nicht mehr da sein oder nicht mehr zu einem gehören.

Doch bei manchen Menschen sind die Verlustängste besonders stark ausgeprägt – so stark, dass sie zur Qual werden, die Freude am Partner überdecken und dem Glück zu zweit im Wege stehen. Bei übermäßigen Verlustängsten spielt es nicht einmal eine Rolle, ob die ständige Furcht, verlassen zu werden oder verlassen zu sein, begründet ist oder nicht.

Starke Verlustängste tun nicht nur weh, sondern können zu einer ernsthaften Gefahr für die Beziehung oder Ehe werden. Sachliche Argumente und liebevoller Zuspruch reichen oft nicht aus, um die tief verwurzelte Angst zu überwinden bzw. mit ihr umgehen zu lernen. Es ist jedoch für beide Partner sehr wichtig, einen Weg aus der Angst zu finden, bevor sie der Liebe keinen Raum zum Atmen mehr lässt und die Beziehung zu sehr belastet.

Der Eheberater bzw. Paartherapeut hilft bei der Überwindung von Verlustängsten, damit sie nicht zu selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Auch wenn nur ein Partner unter Verlustangst leidet, geht diese Angst trotzdem beide an. Daher ist es in der Regel von großem Vorteil, wenn beide zur Eheberatung kommen oder gemeinsam in einer Paartherapie nach den Ursachen suchen und Lösungen erarbeiten. Doch auch Einzelgespräche mit dem Psychologen sind sinnvoll – nicht nur für Singles, Geschiedene  oder getrennt Lebende.

Wie äußern sich Verlustängste, und wie werden sie wahrgenommen?

Menschen, die Angst haben oder unter Stress stehen, reagieren heute kaum anders als ihre Vorfahren: Entweder machen sie sich kampfbereit, oder sie wenden sich zur Flucht. Je nach Charakter und Situation ergeben sich weitere Alternativen – etwa sich totzustellen oder zu kapitulieren. Daher handeln angstgeplagte und unsichere Menschen manchmal sehr fordern und aggressiv – etwa indem sie sehr viele und häufige Liebesbeweise einfordern, ihre Eifersucht offensiv ausleben oder auf andere Weise versuchen, den Partner bestmöglich zu kontrollieren. Andere hingegen machen sich vor lauter Angst ganz klein: Sie unterwerfen sich dem Partner und versuchen, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen und alles richtig zu machen, damit er sie nur ja nicht verlässt.

Wer Angst hat, neigt zum Zweifeln, zum Grübeln und zum Misstrauen. Die Angst, verlassen zu werden oder den Partner/die Partnerin zu verlieren, wird dabei oft auf die eigene Person zurückgeführt (projiziert). Viele Betroffene erzählen von ihrem geringen Selbstwertgefühl, von nagenden Selbstzweifeln und Gefühlen der Minderwertigkeit. Sie haben Angst, nicht schön genug, nicht gut genug oder nicht interessant genug zu sein, um ihren Partner dauerhaft halten zu können. Daher entwickeln sie ein besonders feines Gespür für das Verhalten des Partners – und suchen ständig nach Anzeichen, die ihre Angst bestätigen könnten.

Ganz alltägliche Kleinigkeiten, wie sie im Zusammenleben immer mal wieder vorkommen, können die latent vorhandene Angst regelrecht auflodern lassen. Ein verspäteter Anruf, eine ungeduldige Geste, ein Seitenblick oder ein vermeintlicher Unterton in der Stimme – und schon ist das dünne Band des Vertrauens gerissen. Menschen, die unter starken Verlustängsten leiden, sind oft auch sehr eifersüchtig: Sie wittern überall Konkurrenz, da sie sich bei Vergleichen eher als Verlierer betrachten, und fürchten, jemand anderes könne ihnen den Partner wegnehmen.

Verlustangst überwinden: Pessimismus und Negativdenken führen zur Entfremdung

Für den Partner ist ein solches von Angst bestimmtes Verhalten ebenfalls sehr schwer zu ertragen. Selbst wenn die Angst unbegründet ist, muss er dennoch immer wieder erleben, dass all seine Liebe nicht ausreicht, um sie zu überwinden oder wenigstens zu entkräften. Ständig wird er damit konfrontiert, und doch hat er keinen Einfluss darauf. Außerdem bleiben seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse dabei langfristig auf der Strecke.

Wenn Verlustängste so viel Zeit und Raum in Anspruch nehmen, dass sie die Beziehung prägen, ist die Partnerschaft kein Ort der Erholung mehr, sondern eine Gefahrenzone. Häufige Folgen sind Gefühle der Hilflosigkeit, Ohnmacht und Überforderung, die in Resignation, unterschwellige Wut oder offene Aggression münden können, wenn es dem Paar nicht rechtzeitig gelingt, aus diesem Teufelskreis herauszukommen.

Entspannte, konstruktive oder fröhliche Kommunikation auf Augenhöhe kann sich in einer Atmosphäre der Angst bzw. Eifersucht oder nur schwer entwickeln. Oft wird sie daher im Lauf der Zeit immer seltener. Im geschützten Umfeld einer Paarberatung oder Paartherapie lernen betroffene Paare, wieder angstfrei miteinander zu reden – nicht nur über die Verlustängste und daraus resultierenden Probleme, sondern auch über alles, was zu kurz gekommen ist, seit die Angst zum beherrschenden Thema wurde.

Ziel der Gespräche ist es, eine solide Vertrauensbasis zu finden, damit sich langfristig beide Partner in ihrer Liebe und Beziehung sicher, stark und verstanden fühlen. Welcher Weg sich dorthin anbietet und wie lange es dauert, das Ziel zu erreichen, hängt von individuellen Faktoren ab – beispielsweise von den Ursachen und Ausprägungen der Verlustängste und davon, wie lange sie bestehen und welche Beziehungskonflikte sich daraus entwickelt haben.

Woher kommen Verlustängste in einer Beziehung?

Verlustängste gehören zur Gefühlsentwicklung. Kinder durchlaufen meist mehrere Phasen, in denen die Angst vor dem Verlust der Eltern oder einer anderen Bezugsperson besonders stark empfunden wird. Auch solche, die noch keinen realen Verlust erleben mussten, stellen sich dennoch entsprechende Situationen vor oder träumen davon. Durch die Nähe der geliebten Person lässt sich die Angst jedoch meist rasch wieder zerstreuen.

Mit den Jahren wachsen das Gefühl der eigenen Stärke und Unabhängigkeit – und damit auch die Fähigkeit, Verluste zu überstehen, mit Ängsten fertigzuwerden und aus Krisen zu lernen. Eine schwere Kindheit bzw. Jugend kann aber verhindern, dass sich das sprichwörtliche Urvertrauen bildet. Frühe Verluste, Zurückweisung, Gewalt und andere traumatische Erlebnisse führen dann etwa zu der inneren Überzeugung, nicht liebenswert zu sein, sich verstecken zu müssen oder niemandem vertrauen zu können.

Aber das Urvertrauen kann auch später im Leben so nachhaltig erschüttert werden, dass es danach nicht mehr von alleine oder erst nach langer Zeit verheilt. Grundsätzlich kann schon eine besonders schlimme oder unerwartete Verlusterfahrung starke und bleibende Verlustängste auslösen – zum Beispiel eine schmerzliche oder abrupte Trennung oder ein Seitensprung. Auch hierbei gilt: Je tiefer die Gefühle für den betreffenden Menschen waren bzw. sind, desto tiefere Wunden hinterlässt der Verlust.

Verlustängste in Ehe und Beziehung überwinden

Zu nahezu jeder Eheberatung oder Paartherapie gehört ein aufmerksamer Blick in die Vergangenheit. Unterm Strich geht es in den Gesprächen jedoch um die aktuelle Situation und die Zukunft der Partnerschaft. Verlustängste lassen sich außerdem nicht einfach über Bord werfen wie überflüssiger Ballast: Sie haben immer eine Geschichte und eine Stimme, die sich Gehör verschaffen will. Der Überwindung der Angst muss also eine Versöhnung mit ihr vorausgehen, wenn der Blick nach vorn wieder frei sein soll.

Es ist wesentlich, dass beide Partner während der Beratung oder Therapie mit offenen Karten spielen. Wenn einer untreu ist oder war, sich nicht binden oder festlegen will, sich mit Trennungsgedanken trägt oder diese bereits offen ausspricht, sind Verlustängste eine nachvollziehbare Konsequenz, aber nicht der Punkt, an dem die Beratung ansetzen sollte. Eher geht es dann darum, ob die Liebe auf beiden Seiten noch ausreicht, um die Beziehung retten zu können, und welche Verhaltensänderungen dazu erforderlich wären.

Wenn starke oder dauernde Verlustängste zu Konflikten in einer grundsätzlich glücklichen und erfüllenden Beziehung führen, geht es darum, das Vertrauen zu stärken und zu erkennen, welche Verhaltensweisen dazu geeignet sind. So ist es für Liebende jeden Alters erlernbar, den Fokus auf das gemeinsame Gute und Erwünschte zu richten statt Schlechtes zu erwarten und das Schlimmste zu befürchten. Mit Zuversicht, Gelassenheit und Humor lassen sich Glücksmomente und Erfolgserlebnisse viel bewusster wahrnehmen und auch aktiv herbeiführen.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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