Zusammenbleiben nur wegen der Kinder?

Viele Familien sind nach außen hin intakt. Hinter der gepflegten Fassade ist jedoch vieles nicht mehr so, wie es sein sollte oder einmal war. Die Eltern verdrängen oder verschleppen ihre Beziehungsprobleme und glauben, damit zum Wohl der Kinder zu handeln: Nur die Liebe zum Nachwuchs hindert sie daran, ihre Schwierigkeiten offen auszusprechen oder ernsthaft über eine Trennung oder Scheidung nachzudenken. Dabei wird es mit der Zeit immer schwerer, sich einzugestehen, dass es so nicht weitergehen kann. 

Perfektionsstreben und Erwartungsdruck

Viele Eltern haben ein schlechtes Gewissen oder fühlen sich als Versager, weil sie dem Idealbild nicht entsprechen können. Das hängt allerdings in der heutigen Zeit auch ganz schön hoch: Perfekte Eltern sind nämlich außerdem ein liebevolles, leidenschaftliches Paar, selbstverständlich gleichberechtigt, beide verdienen gutes Geld in einem Job ihrer Wahl. Ihre begabten Kinder bekommen von klein auf die beste Erziehung Förderung und wachsen sowohl umsorgt als auch eigenverantwortlich in einem gesunden Umfeld auf. Gibt es trotz aller heilen Welt doch einmal kleinere Probleme, wird nicht geschimpft, sondern vernünftig und lösungsorientiert diskutiert.Rundum perfekte Eltern gibt es aber nicht, ebenso wenig wie Kinder von der Stange oder Ehepartner mit Zufriedenheitsgarantie. Menschen sind Einzelstücke mit individuellen Fehlern und Schwächen; sie können nicht immer, wie sie wollen, leisten sich Versäumnisse und sind zudem dauernden Schwankungen in der Tagesform unterworfen. 

Fremdbestimmung und Opferhaltung

Je mehr Zeit und Mühe darauf verwendet wird, nach außen hin ein perfektes Bild abzugeben, umso anstrengender und schwieriger ist der Rückweg zu sich selbst. Eltern, vor allem Mütter,  neigen dazu, die eigenen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren und sich an eine Rolle als fremdbestimmtes Wesen zu gewöhnen. Das mag für eine gewisse Zeit gutgehen und kann zeitweise unumgänglich sein: Wenn ein Kind noch nicht sprechen kann, nachts noch nicht durchschläft oder krank ist, müssen die Eltern ihr Ego hinten anstellen. 

Mit der wachsenden Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bieten sich den Eltern wieder mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung, doch viele nutzen sie nicht oder nur unzureichend aus. Durch die lange Gewohnheit und viele kleine äußere und innere Routinen der Elternschaft können sich Fremdbestimmung und Selbstlosigkeit fest in Selbstbild, Denken und Handeln etablieren. Darunter kann die Paarbeziehung in vieler Hinsicht leiden.

Angst vor dem Alten, Angst vor dem Neuen

Nur wegen der Kinder: Das ist ein gut gemeinter, aber kein guter Grund für das Weiterführen einer Partnerschaft, in der nicht auch beide Eltern glücklich sind. Zum Glück brauchen die meisten Menschen eine feste Basis (sozusagen die äußere und innere Heimat), Aufgaben, die sie gern und gut erledigen, und Abwechslung nach Bedarf. So fühlen sie sich sicher, können ihre Talente und Fähigkeiten einbringen, ihr Wissen weitergeben, ihre Phantasie ausleben und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. Liegt zu viel Potenzial brach und bleiben zu viele Wünsche unerfüllt, kann es geschehen, dass Menschen eine Art „Innerer Kündigung“ aussprechen. Je nach Charakter und Prägung können sie sich in der Folge immer mehr in sich selbst zurückziehen oder offensiv nach Auswegen suchen, etwa durch Aggressivität, Fremdgehen oder überstürzten Ausbruch aus der Ehe und dem alten Leben. 

Konstruktiver ist es natürlich, sich zuerst einmal an den Partner zu wenden und das Problem zur Sprache zu bringen – selten ist in solchen Situationen nur einer betroffen; oft leiden beide auf die gleiche Weise und wissen es gar nicht.

Je fester die sozialen, beruflichen und familiären Bindungen, desto schwieriger wird es, sie aufzulockern, zu verändern oder sich daraus zu lösen. Viele verharren in festgefahrenen Beziehungen, weil Veränderung oder Neuanfang kaum mehr vorstellbar sind oder tatsächlich mit erheblichen technischen Schwierigkeiten verbunden wären. Ist beispielsweise nur ein Partner berufstätig, gerät der andere, zumeist die Frau, in finanzielle Abhängigkeit. Der Gedanke an Trennung wird von nicht berufstätigen Müttern oft aus der Angst heraus verdrängt, als Alleinerziehende keinen Job zu finden, von Unterhalt und Sozialleistungen abhängig zu werden und den Kindern nicht mehr ihren gewohnten Lebensstandard bieten zu können. Wenn die gemeinsame Wohnung aufgegeben wird, drohen Armut, schlechterer Sozialstatus und der Verlust des gewohnten Umfelds.

Die Partnerschaft der Eltern darf nicht an den Kindern hängen 

Grundsätzlich ist es natürlich wünschenswert, Ehe, Beziehung und Familie zu erhalten. Trotzdem sind Trennung oder Scheidung oft der bessere Weg, auch im Hinblick auf das Wohl der Kinder. Bei massiven Eheproblemen dominieren oft Frust, Streit und Gewalt den Familienalltag – und das schadet auch den Kindern, die sich dabei häufig sogar als Schuldige betrachten. Vor allem jüngere Kinder brauchen Sicherheit, Vertrauen und Kontinuität, um sich wohlzufühlen und gesund zu entwickeln. Dazu müssen und dürfen sie sich auf die Erwachsenen verlassen, auf ihre Beschützer, Begleiter und Lehrer, von denen sie in vieler Hinsicht abhängig sind.

Umgekehrt ist es nicht fair, die elterliche Beziehung von den Kindern abhängig zu machen. Kinder spüren diese Verantwortung, können sie jedoch trotz aller Sorge um die Eltern naturgemäß weder erfassen noch erfüllen. In gewisser Weise werden sie dadurch gezwungen, zu früh erwachsen zu werden; auf diesen Druck reagieren viele mit Angst, Ablehnung, Verwirrung oder auffälligen Verhaltensstörungen.

Eltern mit Ehe- oder Paarproblemen wissen oft nicht, ob, wie und in welchem Umfang sie ihre Kinder involvieren dürfen oder können. Oft baut sich eine regelrechte Mauer aus Tabuthemen in betroffenen Familien auf, die durch eine Gesprächs- oder Familientherapie gemeinsam durchbrochen werden kann.

Bedürfnisse von Mama und Papa

Mutter- und Vaterliebe sind wichtig für die Kinder und wesentlich für das Familienglück. Trotzdem haben Mütter und Väter weiterhin sexuelle Bedürfnisse, sie dürfen Lust aufeinander haben und brauchen sich auch nicht zu schämen, wenn sie sich dafür Zeit ohne ihre Kinder wünschen. Oft bleibt durch die Anforderungen der Elternschaft aber nicht nur die Leidenschaft auf der Strecke, sondern auch kostbare Gesprächs- und Erholungszeit – mit der Folge, dass sich die Partner schleichend auseinanderleben.Viele bemerken eines Tages, dass sich die Kommunikation auf Alltag und Familie beschränkt und das Leben zu einem mehr oder minder durchorganisierten, vorausschaubaren und sich wiederholenden Ereignisablauf geworden ist. Das ist der Punkt, an dem Paare zu zweifeln beginnen; sie fragen sich, was aus ihren Wünschen und Träumen geworden ist, und empfinden plötzlich einen schmerzhaften Mangel. Viele vergleichen ihre früheren Erwartungen an Liebe und Lebenspartnerschaft mit dem aktuellen Zustand, erschrecken und entwickeln in der Folge Fluchtgedanken und den Wunsch, neu anzufangen.

Paare, die sich wieder die frühere Nähe zum Partner wünschen, aber verlernt haben, sich Freiräume zu schaffen oder miteinander zu reden, können dies durch eine Ehe- oder Paartherapie neu erlernen. Haben sich einer der Partner oder beide durch den Wandel vom Paar zur Familie stark verändert, kann es erforderlich sein, einen ganz neuen Weg zueinander zu finden. Auch hierbei kann ein erfahrener Paartherapeut helfen – etwa im Rahmen einer psychologischen Beratung oder Gesprächstherapie. Dies bietet beiden die Möglichkeit, in einem sicheren Umfeld, ohne Kinder und störende Außeneinflüsse und mit der Unterstützung durch den Berater oder Mediatoren ihre Gedanken, Gefühle, Wünsche und Befürchtungen zu äußern.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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