On-Off-Beziehung: Dauerstress mit unklaren Zukunftsaussichten

Eine On-Off-Beziehung: Das ist das, was Paare haben, die sich immer wieder trennen und dann doch wieder zusammenkommen. Schon die eher lieblose Bezeichnung lässt ahnen, dass es sich hier weniger um ein alternatives Beziehungskonzept handelt als um eine Konstellation, bei der einiges im Argen liegt. On-Off-Beziehung – das klingt nach einem Schalter, mit dem sich die Partnerschaft an- und ausknipsen lässt.

Da Menschen keine Schalter zum Aktivieren oder Deaktivieren ihrer Gefühle haben und eine Beziehung ohne Menschen ein rein abstrakter Begriff ist, stellt sich die Frage, was genau hier an- und ausgeschaltet wird – und warum es den Partnern in einer On-Off-Beziehung nicht gelingt, sich klar und dauerhaft für oder gegen die Beziehung zu entscheiden. Fest steht, dass die meisten sich mit diesem Zustand nicht wohlfühlen: Viele suchen Hilfe bei einer Ehe- oder Paarberatung oder entschließen sich gemeinsam zu einer Paartherapie, um das dauernde Hin und Her zu beenden – entweder durch die endgültige Trennung oder neue Ansätze zum Stabilisieren der Partnerschaft.

Besonders schwierig kann die On-Off-Beziehung werden, wenn einer oder beide zwischen Trennung und Neubeginn noch andere Partner haben – egal, ob als Flirt, Affäre oder ernstgemeinten Beziehungsversuch. Denn eine On-Off-Beziehung unterscheidet sich von einer offenen Beziehung und anderen freizügigen Beziehungskonzepten vor allem darin, dass die meisten Betroffenen sie nicht als selbsterwählte oder beste Methode des Zusammenlebens sehen, sondern als eine Art Teufelskreis, Fluch oder Schicksal. Und wenn die On-Off-Beziehung durch eine Trennung nicht richtig beendet wird und das erneute Zusammenkommen kein echtes Bekenntnis enthält, lässt sich auch nicht klar definieren, ob anderweitige „Zwischenbeziehungen“ als Untreue zu bewerten sind und welche Reaktion darauf angemessen ist.

Eine On-Off-Beziehung ist oft schmerzlicher als gar keine Partnerschaft

Vertrauen, Beständigkeit und eine grundsätzliche Ähnlichkeit der Interessen: Das sind wichtige Säulen für eine glückliche Ehe oder Lebenspartnerschaft. Nur auf dieser Basis kann sich die anfängliche Verliebtheit zu Liebe, Verantwortung und einem harmonischen Zusammenleben entwickeln. Trennt sich ein Paar, zieht es damit in der Regel die Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass die richtige Basis in dieser Beziehung nicht vorhanden war oder nicht (mehr) ausreichend tragfähig ist. Wer seine Beziehung oder Ehe als gescheitert ansieht, erteilt damit also vor allem einer individuellen Konstellation die Absage: Das mit uns beiden hat nicht funktioniert. Wir haben nicht zueinandergepasst.

Das ist schmerzlich, beinhaltet aber die tröstende Nebenaussage, dass „es“ bei jedem grundsätzlich funktionieren und passen könnte – wenn nicht mit diesem, dann eben mit dem nächsten Partner. Was aber, wenn es mit ein- und demselben Partner immer wieder nicht passt? Wenn die Beziehung nicht nur beim zweiten, sondern auch noch bei einem dritten, vierten oder fünften Anlauf abermals scheitert oder zu scheitern droht? Wenn die Freunde schon abwinken, weil keiner mehr die Geduld und Nervenstärke aufbringt, sich ein weiteres Kapitel dieser unendlichen Geschichte anzuhören?

Eine On-Off-Beziehung mag sich zu Anfang sehr romantisch anfühlen: Da sind zwei Liebende, die können nicht miteinander, aber ohne einander können sie auch nicht. Das klingt nach Heldenepos und ganz großem Kino, nach Leidenschaft, Tragik und tiefen Gefühlen. Tatsächlich wirken die dahinterliegenden Ursachen meist eher dämpfend als befeuernd auf die Liebe: Zu den häufigsten Gründen für eine On-Off-Beziehung zählen Bindungsangst, Verlustangst, Entscheidungsschwäche sowie emotionale, soziale oder wirtschaftliche Abhängigkeit. Oft spielen auch Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften mit hinein, die man bei sich selbst ungern zugibt und auch am Partner nicht gern sieht, etwa Bequemlichkeit, Verantwortungslosigkeit, mangelnder Respekt oder die Weigerung, erwachsen zu werden.

Wer einen Partner sucht, wünscht sich einen Menschen, zu dem er sich bekennen und zugehörig fühlen kann. Selbst wer sich noch nicht fürs Leben binden will, erhofft sich Halt und Harmonie in der Partnerschaft. Ob für einen Monat oder ein Jahr: Das Gefühl der Zweisamkeit ist wichtig, sonst braucht man von einer Beziehung gar nicht erst zu reden. Gerade das ist aber in der On-Off-Beziehung oft schon verschlissen. Mit der ersten Trennung hakt man die Idee des Zusammengehörens ab, mit der ersten Wiedervereinigung erklärt man die Trennung für einen Irrtum, und spätestens bei der zweiten Trennung schwingt im Abschiedsschmerz bereits eine gehörige Portion Absurdität mit.

Freundschaft, Liebe und Partnerschaft dürfen sich aber nicht absurd anfühlen. Sonst können sie eine ihrer vielen Aufgaben, nämlich Menschen von der Absurdität ungewollten Einzeldaseins zu erlösen, nicht mehr erfüllen. Aus diesem Grund ist eine langwierige On-Off-Beziehung für die meisten Betroffenen schwerer zu ertragen, als es ein Leben ohne den Partner wäre. Trotzdem kommen sie nicht von dem Unglückskonzept los: Das Drama ist zur Gewohnheit geworden, und dazu gehört auch das Verdrängen und Nicht-Verwirklichen von Vorstellungen, wie es stattdessen weitergehen könnte.

Das Drama mit dem Drama

Liebe muss nicht immer Einigkeit bedeuten. Aber eine Grundeinigkeit muss vorhanden sein, damit sich Auseinandersetzungen lohnen und gemeinsame Pläne auch aufgehen können. Zwei Menschen, die sich einmal füreinander und für eine feste Partnerschaft entschieden haben, tun sich gewöhnlich nicht leicht mit einer Trennung, sondern versuchen vorher auf viele Arten, ihre Beziehung oder Ehe zu retten. Die wenigsten geben gleich beim ersten Streit oder der ersten Krise auf – auch deswegen, weil eine Trennung oder Scheidung im Normalfall eben nicht mehr rückgängig gemacht wird.

Beim Rückblick auf gescheiterte Beziehungen, die in nahezu jeder Biografie irgendwann zumindest ein interessantes Kapitel füllen, möchten wir gern sagen, wir hätten „zumindest alles versucht“. Alles ist in diesem Fall immer subjektiv: Kein Mensch kann eben mehr tun, als was er vermag. Worauf es ankommt: Sauber aus einer Sache herausgekommen zu sein, so dass man sich und auch dem anderen noch gerade in die Augen sehen kann. Auch dieses Gefühl, das sehr wichtig für die Selbstachtung ist, nutzt sich in einer On-Off-Beziehung zwangsläufig ab: Die Tatsachen sprechen ganz klar dagegen, wenn sich etwas wiederholt, das sich immer wieder als Fehler herausstellt, und es nur noch darum zu gehen scheint, was man nicht zu können oder zu schaffen glaubt.

Im emotionalen Wirrwarr der On-Off-Beziehung werden simple Tatsachen, etwa die messbaren Früchte und Erfolge der Partnerschaft, das bisher gemeinsam Erreichte und Verspielte, leicht übersehen oder falsch eingeschätzt. Ist das Beständigste an der Partnerschaft ihre Unbeständigkeit, wird das, was man wirklich füreinander empfindet und miteinander hat, überschattet von einer überbewerteten und zum Selbstzweck gewordenen Dramaturgie. Sie loszulassen fällt leichter, wenn man die Logik zu Hilfe ruft. Sie ist, neben der Liebe, ein weiterer starker Partner gegen die Absurdität – und oft ermöglicht erst sie die notwendige Selbsterkenntnis und auch den nötigen Humor, um sich von einem unmöglich gewordenen Grundzustand versöhnlich zu lösen.

Was können Paare tun, um aus einer On-Off-Beziehung herauszukommen?

Sauber aus einer On-Off-Beziehung herauszukommen muss nicht zwangsläufig eine Trennung bedeuten. Es muss aber heißen, endlich Prioritäten zu setzen. Wurde die Basisentscheidung – Beziehung oder Trennung – bereits mehrfach getroffen und widerrufen, ist sie kein deutliches Zeichen mehr, sondern bloße Dramaturgie. Die Basisentscheidung zum Beenden einer On-Off-Beziehung muss also etwas Neues sein, um Verbindlichkeit und Sicherheit zu schaffen.

Die folgenden Fragen können helfen, die Situation besser zu überblicken und die unklaren Strukturen zu verfestigen. Sie zu beantworten erfordert Ehrlichkeit, die man jedoch zumindest sich selbst gegenüber aufzubringen bereit sein sollte. Nur so können die Überlegungen ihren Zweck erfüllen: das Entdramatisieren, Bilanzieren und sachliche Bewerten der Situation durch mehr Vernunft.

  • Wem nützt das ständige Hin und Her? Welche Vorteile versprechen wir uns davon?
  • In welchen Situationen erleben wir den Mangel an Verbindlichkeit als befreiend, und in welchen als bedrückend? Welches der beiden Gefühle dominiert bei mir, und welches bei meinem Partner?
  • Worüber denke ich öfter nach: darüber, wie ich mein Leben ohne meinen Partner gestalten könnte, oder darüber, wie wir es gemeinsam besser gestalten könnten? Welche Gedanken fühlen sich sinnvoller, welche hoffnungsvoller an?
  • Gibt es konkrete Punkte/Gründe, die mich darin behindern bzw. davon abhalten, mich klar zu meinem Partner zu bekennen?
  • Gibt es konkrete Gründe, die mich darin behindern bzw. davon abhalten, mich endgültig von meinem Partner zu trennen?
  • Wenn ich die Gründe in zwei Spalten einer Tabelle schreibe: Welche Liste wird länger?

Eine On-Off-Beziehung bedeutet Stress im Nebel. Sie zu beenden heißt, zuerst einmal den Stress herauszunehmen und den Nebel zu lichten. Das Gefühlskarussell muss zur Ruhe kommen, denn was sich im Kreis bewegt, kann man nicht auf die Reihe kriegen.

Ist das erst geschehen, können sich weitere Schritte ergeben – gemeinsam oder ohne den Partner. Aber auf dem ganzen Weg können sich Rat und Hilfe suchende Frauen, Männer und Paare von einem Eheberater, durch eine Paarberatung oder bei einer Partnertherapie unterstützen und stärken lassen.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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