Pech in der Liebe: Warum gerate ich immer wieder an die falschen Partner?

Die Suche nach einem passenden Partner gehört zu den wichtigsten natürlichen Programmen des Menschen. Auch wiederholte Versuche, Irrtümer und Trennungen sind normal in einer Gesellschaft, die dem Einzelnen bei der Partnerwahl ein hohes Maß an Freiheit zugesteht. Laut den Statistiken und Durchschnittswerten entscheidet man sich rund zehnmal für einen falschen Partner, bevor man den richtigen trifft.

Doch was heißt eigentlich „falsch“ oder „richtig“, wenn es so oft erst im Nachhinein zu erkennen ist? Warum scheinen manche Menschen unter chronischem Pech in der Liebe zu leiden und immer wieder an Partner zu geraten, die ihnen nicht gut tun? In der Ehe- oder Paarberatung können Sie lernen, ungünstige Beziehungsmuster zu erkennen und zu durchbrechen, statt sie zu wiederholen.

Unterbewusstsein und Partnerwahl

Was wir von der Liebe oder in einer Partnerschaft erwarten, was wir dafür bereit sind zu geben, wie wir Glück und Unglück definieren und wie wir mit beidem umgehen: All das entscheidet sich bereits in der frühen Kindheit. In dieser Zeit bilden sich viele komplexe Denk- und Verhaltensmuster, die auch im späteren Leben unsere Gefühle, Handlungen und Entscheidungen prägen. Diese psychologischen Muster laufen zu einem großen Teil unbewusst ab, und das kann – wenn es ungünstige Muster sind – dazu führen, dass in Partnerschaften immer wieder dieselben Probleme auftreten und die schlechten Erfahrungen sich auffällig gleichen.

Wer schon viele Beziehungen mit neuen Hoffnungen begonnen und mit altbekannten Enttäuschungen verloren hat, wird in Liebesdingen zudem deutlich anfälliger für Fatalismus oder Resignation, die sich etwa in Aussagen wie diesen zeigen:

  • „Wahrscheinlich bin ich beziehungsunfähig.“
  • „Es ist wohl mein Schicksal, allein zu bleiben.“
  • „Mit mir hält es einfach niemand lange aus.“
  • „Ich halte es einfach mit niemandem lange aus.“
  • „Ich habe es wohl nicht besser verdient.“
  • „Ich ziehe das Unglück magisch an.“
  • „Ich scheine das Unglück wohl zu brauchen.“
  • „Ich laufe immer wieder sehenden Auges in mein Unglück.“
  • „Ich war wieder einmal blind.“

Dabei können die meisten ganz konkrete Wünsche, Bedingungen oder Ausschlusskriterien bei der Partnerwahl benennen und sind zu Anfang jeder neuen Beziehung bereit, willens oder sogar fest überzeugt, „diesmal alles richtig zu machen“. Umso stärker ist dann das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn auch diese Partnerschaft trotz aller guten Vorsätze wieder unglücklich wird oder in die Brüche geht.

Dass sich die komplizierte Psychologie der Paardynamik und Partnerwahl nicht rational erfassen, vernünftig kontrollieren oder bewusst steuern lässt, ist zwar bekannt, aber wenig tröstlich. Wer sich aus negativen Strukturen und Beziehungsmustern befreien will, sollte sich zuerst von der Vorstellung freimachen, bei der Partnerwahl von höheren Mächten bestimmt, dem Schicksal oder dem Zufall ausgeliefert zu sein. Denn selbst wenn das so wäre, bliebe dennoch ein großer Teil der Verantwortung beim Individuum – und bei diesem Teil, also den eigenen Wünschen, dem eigenen Denken und Verhalten, kann jeder ansetzen, um das Glück einzuladen und günstigere Bedingungen für sein Bleiben zu schaffen.

Die häufigsten Gründe für Pech in der Liebe

Zu den Hauptgründen für chronisches Pech in der Liebe gehören:

  • (zu) geringes Selbstwertgefühl,
  • zu hohe bzw. unrealistische Erwartungen,
  • starke Bindungsangst,
  • starke Verlustangst und/oder
  • unbewältigte frühere Beziehungen oder Konflikte.

Menschen, die ihren eigenen Wert als gering einstufen, neigen zu dem Glauben, Glück, Anerkennung oder Gemeinsamkeit auf Augenhöhe nicht verdient zu haben. Oft lassen sie das auch ihre Partner spüren, indem sie – bewusst oder unbewusst – signalisieren, dass sie der Liebe nicht trauen, nicht an sie glauben oder sie nicht wirklich auf sich beziehen. So kann die ungünstige Grundhaltung („Wer sich für mich entscheidet, kann nicht so toll sein, aber ich muss mich mit dem zufriedengeben, was ich bekomme“) die gesamte Beziehung beeinflussen und zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Überzogene Erwartungen verleiten zum schnellen Sichten, Kategorisieren, Testen und Aussortieren. Wer einen perfekten Partner sucht und genau weiß, wie der aussehen soll und was er zu sein und zu haben hat, läuft Gefahr, über dem Prüfen und Bewerten anderer den Blick auf sich selbst zu vergessen und sich so viele Arten der Selbsterkenntnis zu verbauen. Das kann dazu führen, dass die Erwartungen mit der Zeit immer unrealistischer werden und die Suche – außen hochdynamisch, innerlich jedoch statisch – zu einem unbefriedigenden Selbstzweck verkommt.

Starke Ängste sind ebenfalls keine guten Ratgeber bei der Suche nach dem richtigen Partner. Menschen mit Verlustangst neigen in Beziehungen zum „Klammern“, zur Eifersucht und zu übertriebenem Kontrollverhalten, weil sie sich ihres Partners niemals richtig sicher fühlen. Wer hingegen Angst vor einer engen oder festen Bindung hat, bleibt in seinen Beziehungen stets fluchtbereit, hält sich ein „Hintertürchen“ offen oder sucht (bewusst oder unbewusst) nach einem Partner, der bereits anderweitig gebunden ist. Beide Muster sind wenig förderlich für das Vertrauen, das die Basis jeder glücklichen Beziehung darstellt. Pech in der Liebe ist nicht immer einfach Pech.

Dass man erst eine neue Beziehung beginnen sollte, wenn man mit der vorangegangenen abgeschlossen hat, ist ein guter und richtiger Rat. Allerdings werden die Erfahrungen und Geschichten der Vergangenheit niemals ganz abgeschlossen, sondern gesammelt und in jede neue Beziehung mitgebracht. Unbewältigte Konflikte und ungelöste Probleme aus früheren Partnerschaften oder aus der Kindheit (der Eltern-Kind-Beziehung) können erneut nach Aufmerksamkeit und Klärung verlangen, auch wenn das Herz offen für eine neue Liebe ist.

Daran ist jedoch nichts Schlimmes, denn die gesammelten Geschichten und Erfahrungen eines Menschen haben Besseres verdient als Abschluss und Überwindung. Auch bei der Partnersuche können sie uns leiten – vor allem durch die Erkenntnis, dass nicht Einzelnes zu Einzelnem, sondern Gesamtes zu Gesamtem passen muss. Wenn die Geschichten und Erfahrungen zweier Menschen miteinander kompatibel sind, erhöht das auch die Chance, dass beide eine gute gemeinsame Geschichte mit vielen spannenden Kapiteln erleben.

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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