Konstruktives Streiten in der Beziehung / Ehe (Tipps aus der Paarberatung)

Jedes Paar, sei es auch noch so glücklich, wird es kennen: Streit kommt in jeder Beziehung vor. Vor allem alltägliche Reibereien, wie Unpünktlichkeit eines Partners oder die Aufgabenverteilung in der Beziehung sind der Grund für die weniger harmonischen Momente im Zusammenleben zweier Menschen.

Die scheinbaren Banalitäten und Kleinigkeiten wiegen in einer Beziehung sehr schwer, da sie immer wieder auftreten und es nur selten endgültige Lösungen für sie gibt. Zudem ähneln sich die Streitverläufe zu diesen Themen und beide Partner können dieser "Streitspirale" nur schwer entkommen. Dabei ist der konstruktive Umgang mit diesen scheinbaren Kleinigkeiten eng verbunden mit Wertschätzung und Anerkennung des Partners. Jeder Mensch strebt danach, ernst genommen und respektiert zu werden. Dieses Bedürfnis macht sich vor allem bei solchen „Kleinigkeiten“ bemerkbar.

Streiten in der Beziehung: Reizthemen sind Wasser für die Mühlen der Streitspirale

Grundlage für faires Streiten ist es, bestimmte Reizthemen zu kennen, die immer wieder zu Konflikten führen. Dies kann der nicht heruntergeklappte Toilettendeckel ebenso sein wie die nicht von hinten ausgepresste Zahnpastatube. Nüchtern betrachtet handelt es sich hierbei um wahre Banalitäten im Zusammenleben zweier Menschen, die jedoch vielfach Grund für handfeste Streitereien sein können. Einer der Partner fühlt seinen Wunsch in der jeweiligen Situation nicht ernst genommen. Es ist somit eher das Gefühl, nicht respektiert zu werden, als die Zahnpastatube oder der Toilettendeckel selbst, welches das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen bringt. Dieses Gefühl markiert oftmals den Beginn der nach oben offenen Streitspirale. Vielfach ähnelt sich der Streitverlauf in diesem Fall und so gibt entsprechend ein Wort das andere. Ebenso erinnert die Streitbeilegung an ein festes Ritual, das sich immer wiederholt. Möglicherweise weint sie und er entschuldigt sich oder beide ziehen sich vorübergehend zurück und gehen nach einer Weile in den Alltag über.

Besonders ärgerlich hierbei: das Streitthema selbst wird durch das Verhalten der beiden Partner nicht gelöst. Die Auseinandersetzung selbst ist wichtiger geworden als der eigentliche Anlass, der den Streit entfacht hat. Es geht nicht mehr um den Toilettendeckel oder die Zahnpastatube, sondern um die grundlegende Frage, ob beide Partner einander Respekt und Anerkennung zollen. Diese existenziellen Fragen für die Partnerschaft können in der aufgeheizten Streitsituation jedoch nicht beantwortet werden, was letztlich zu Enttäuschung und Ärger auf beiden Seiten führt. Diese Zusammenhänge erläuterte ich meine Klienten in der Eheberatung (Raum Köln) und zeige mögliche Auswege auf.   

Mögliche Auswege aus der Streitspirale

Eines vorweg: es ist sehr schwer, aus diesen automatisierten Abläufen auszubrechen. Wenn der Ärger die Partner sprichwörtlich überflutet, ist fairer Streit in der Beziehung nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Eine konstruktive Lösung auf einer sachlichen Ebene kann in diesen Fällen vielfach nicht mehr gefunden werden.

Der konstruktive Streit 

Aus diesem Grund ist es immer ratsam, mittels eines konstruktiven Streites in der Beziehung, aus der aufgeheizten Atmosphäre auszubrechen. Hilfreich kann es sein, wenn sich das Paar grundsätzlich darauf geeinigt hat, eine Auszeit zu nehmen, wenn man merkt, dass einen der Ärger überrollt. Ein triviales Codewort wie etwa „Bananenmilch“ setzt hierfür ein akustisches Signal. Verbunden mit einer solchen Auszeit sollte jedoch ein verbindlicher Zeitpunkt sein, an dem das Paar das Streitthema wieder aufnimmt und in aller Ruhe bespricht. Empfehlenswert hierfür ist eine Zeitspanne von etwa zwei Stunden, denn diese Zeit wird vom Körper benötigt, um die freigesetzten Stresshormone wieder abzubauen.

In einer klassischen Streitsituation werden beide Parteien versuchen, ihre eigenen, für gut befundenen Lösungsvorschläge für ein bestimmtes Problem durchzusetzen. Empfehlenswert kann es hingegen sein, herauszufinden, welche Bedürfnisse eigentlich mit diesen Lösungsvorschlägen zufriedengestellt werden sollen. Vielfach scheinen sich die Positionen der beiden Partner zunächst auszuschließen. Auf den zweiten Blick kann man jedoch erkennen, dass dies nicht immer der Fall ist. Ein Weg aus der Streitspirale kann darüber führen, die Bedürfnisse hinter den Lösungsvorschlägen zu klären und nach Lösungen zu suchen, durch die die Bedürfnisse beider Partner zufriedengestellt werden können. Die Lösungssuche ist in diesem Fall nicht mehr gegnerisch, sondern wird zu einer gemeinsamen Aufgabe und ist der optimale Weg zu einem konstruktiven Streit in der Beziehung. 

Bei Streit in der Beziehung gemeinsam nach Lösungen suchen

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich viele Auseinandersetzungen auflösen lassen und man der "Streitspirale" entkommen kann, wenn

  • es beiden Partnern gelingt, die Bedürfnisse des Gegenübers hinter den Lösungsvorschlägen zu erkennen
  • beiden Personen klar ist, worum es dem Gegenüber geht und
  • sich beide Partner nicht in einer aufgeheizten Streitsituation befinden.

Dann ist eine konstruktive Lösung möglich! Reizthemen werden entschärft und die hinter den vermeindlichen Banalitäten stehenden Streitthemen dauerhaft gelöst

Ihre
Ilona von Serényi, Bergisch Gladbach/Bensberg (Raum Köln)

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